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Haben Traditions-Chöre eine Zukunft?

Den Altländer Shantychor gibt es seit mehr als 30 Jahren (Foto: Foto: oh)

Man muss sich Neuem öffnen und die Jugend motivieren, sagt Chorleiter Michael Bunge

(lt). Dass mehr junge Menschen im Chor singen, wünscht sich Michael Bunge (43). Der Telekom-Mitarbeiter aus Ahlerstedt leitet drei Männerchöre und prophezeit dem Chorwesen in der Region eine schwierige Zukunft, wenn sich nicht das ein oder andere ändert.
"Es fehlen vor allem Sänger in meinem Alter", sagt Bunge, der mit 15 Jahren dem Altländer Shantychor beitrat. Die Chorleitung der rund 60-köpfigen Truppe übernahm er 1991. Seit 2004 leitet er außerdem den MGV Treue Neukloster. In beiden Chören liege das Durchschnittsalter bei 60+, so Bunge.
Etwas anders sieht es dagegen im vor zwei Jahren gegründeten Chor "Die Grenzgänger" aus Ahlerstedt aus. Etwa die Hälfte der insgesamt zwölf Sänger sind um die 40. Zwei Mitglieder, darunter Michael Bunges Sohn, sind sogar noch jünger.
In genau solchen Chören, die über Dorfgrenzen hinaus vernetzt sind und ein breites Gesangsrepertoire von Schlagern bis zu internationaler Pop-Musik haben, sieht Bunge die Zukunft.
Die typischen "Alt-Herren-Chöre", die sich auf deutsches Liedgut oder nur eine Musikrichtung beschränken, hätten es dagegen immer schwerer. "Vielleicht gibt es sie bald gar nicht mehr, wenn sie sich Neuem gegenüber nicht öffnen", sagt Bunge.
Ein Problem sieht der Chorleiter auch darin, dass das Singen an den Schulen nicht stärker forciert wird. Der Kreischorverband gehe zwar in die Kindergärten, sollte sich aber verstärkt auch um Jugendliche bemühen, findet Bunge.
Nicht zuletzt müsse es in der Region genügend Chorleiter geben. Bunge kennt mehrere Kollegen, die mehr als einen Chor leiten.
"Gemeinsam zu singen ist ein toller Ausgleich zum anstrengenden Job", sagt Bunge, der auch mehrere Instrumente spielt. Hinzu komme der Spaß an den Auftritten. Der Shantychor z.B. sei weltweit unterwegs.
Besondere Vorkenntnisse sind übrigens nicht erforderlich, um einem Chor beizutreten. Nur Spaß und Interesse an Musik seien wichtig. "Der Rest findet sich", sagt Bunge.
Im Kreischorverband Stade sind 34 Chöre mit rund 950 singenden und ca. 350 fördernden Mitgliedern vertreten. Der Verband setzt sich zusammen aus vier Kinder- und Jugendchören, drei Frauenchören, neun Männerchören, 17 Gemischten Chören und einem Instrumentalensemble.