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Horneburger Schloss: Von außen jetzt hui - von innen noch pfui?

Wird der Eigentümer des Horneburger Schlosses es eines Tages schaffen, seine Vision umzusetzen? (Foto: lt/MSR)
 
In die Sanierung der Fassade und des Daches flossen auch EU-Fördermittel
lt. Horneburg. Von außen hui, von innen pfui?: Das Horneburger Schloss, das u.a. mit EU-Fördergeldern sowie mit Geld vom Flecken und vom Landkreis in Gesamthöhe von 181.000 Euro saniert wurde (das WOCHENBLATT berichtete), könnte ein echter Anziehungspunkt, Hingucker und Aushängeschild für den Ort und die Samtgemeinde sein. Wenn es Eigentümer Hans-Jürgen Kammer (76) denn endlich gelingen würde, seine Vision von der Einrichtung einer Galerie und Künstlerwohnungen in der Jugendstilvilla umzusetzen.
Dass das noch geschieht, daran zweifeln inzwischen aber wohl immer mehr Menschen. Die Frage, ob hier Steuergelder verschwendet wurden, steht im Raum. Schließlich hat die Öffentlichkeit in die Erhaltung des Herrenhauses investiert, damit sie letztendlich auch etwas davon hat.
"Es ist schade, dass es nicht voran geht", sagt Flecken-Bürgermeister Hans-Jürgen Detje. An seine Worte: "Was lange währt, wird endlich gut", die er 2013 anlässlich der beginnenden Sanierung äußerte, glaubt er selbst nicht mehr so recht. Mit dem "Schlossherrn" habe der Flecken schon länger keinen Kontakt gehabt. Es sei nicht zu erkennen, dass dieser aktiv werde.
Auf WOCHENBLATT-Nachfrage zeigt sich Kammer, der die denkmalgeschützte Jugendstilvilla am Marschdamm 1980 kaufte, zuversichtlich. Der Galerist aus Hamburg glaubt daran, dass sein Langzeit-Projekt doch noch verwirklicht wird.
Zwei Wohnungen im oberen Bereich seien so gut wie fertig, bereits in diesem Frühjahr werde der erste Mieter, angeblich ein Lehrer aus dem Ort, in das Schloss einziehen, so Kammer. Einen zweiten potenziellen Mieter sowie weitere Interessenten gebe es ebenfalls.
Ihm sei es wichtig, dass die Mieter sein Konzept mittragen und ihn dabei auch "fördern". Sobald das Schloss bewohnt sei, werde sich eine Art Dynamik entwickeln, ist sich Kammer sicher. Laut eigener Aussage sei er öfter vor Ort und erhalte viel positiven Zuspruch von den Nachbarn. Er sei nach wie vor überzeugt, dass es richtig war, sich für die Erhaltung des Schlosses einzusetzen. Auch wenn ihm bereits vor Jahrzehnten von Handwerkern immer wieder nahe gelegt worden sei, das ganze Haus lieber abzureißen.
Detje bleibt - nicht zuletzt aufgrund der jahrelangen Erfahrung mit dem Eigentümer - skeptisch angesichts der Aussagen von Kammer und bezweifelt, dass der Innenausbau voran gehe. Er wolle aber versuchen, noch einmal mit ihm in Kontakt zu treten. Immerhin liege das Schloss im Fördergebiet des dritten Abschnitts der Ortskernsanierung, die in diesem Jahr anläuft (das WOCHENBLATT berichtete). Wenn Kammer die entsprechenden Anträge stelle, Konzepte einreiche und Eigenmittel nachweisen könne, habe er die Chance auf weitere Fördergelder für den Ausbau der Villa, so Detje.
Wie berichtet, wurde das "Schloss" mit Fördermitteln in Höhe von 181.000 Euro saniert. Je 25.000 Euro steuerten der Landkreis Stade und der Flecken Horneburg bei. Das Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Niedersachsen gab 131.000 Euro dazu. Hans-Jürgen Kammer brachte 320.000 Euro der Gesamtkosten in Höhe von 503.000 Euro auf.

Kommentar
Das Horneburger Schloss ist ohne Frage ein Schmuckstück im Ort, das erhalten bleiben sollte. Dass die Öffentlichkeit den Eigentümer dabei unterstützt, finde ich ebenfalls richtig und wichtig. Doch jetzt ist der "Schlossherr" am Zug.
Vier Jahre nach der Sanierung, sollte er lieber schnell unter Beweis stellen, dass er nicht nur leere Reden von großen Visionen schwingt, sondern seine Pläne auch wirklich umsetzt. Lena Stehr