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"Ich esse genau das was, die Armen bekommen"

Jan Eschermann räumt in der Lebensmittelausgabe für Bedürftige Regale ein

Jan Eschermann aus Stade arbeitet in Suppenküche in New York

tp. Stade. Das ist Nächstenliebe: Jan Eschermann (25) hat seiner Heimatstadt Stade den Rücken gekehrt, um in den USA den Armen zu helfen (das WOCHENBLATT berichtete). Für eine Obdachlosenorganisation arbeitet er in einer Suppenküche in New York. Da Jan für seinen Einsatz nur einen geringen Obolus erhält, nimmt er selbst das kostenlose Essensangebot in Anspruch.

Der Schausteller-Sohn und Industriemechaniker lebt seit einigen Wochen auf der New Yorker Insel Staten Island im Multi-Kulti-Stadtteil Port Richmond. "Die ersten Eindrücke von der Gegend waren schockierend", berichtet Jan Eschermann. "Hier herrschen Armut und Kriminalität. Überall liegt Müll herum." Und nachts komme es auf den Straßen zu Überfällen und Gewaltübergriffen.

In der Essensausgabe stehen Bedürftige schon früh morgens Schlange. Jan entlädt große Trucks und sorgt dafür, dass sich genug Lebensmittel in den Regalen befinden. "Die Waren werden von Supermärkten in der Region gespendet. Ich esse genau das, was die Obdachlosen auch bekommen", sagt Jan Eschermann. Einmal wöchentlich fährt er zudem mit einem Van durch die Stadt und sammelt Möbel- und Lebensmittelspenden ein.

Jan Eschermann bekommt für seinen ehrenamtlichen Dienst 200 Dollar Taschengeld pro Monat. Das reicht nur für das Nötigste. Um das Geld für die U-Bahn zu sparen, hat sich Jan Eschermann ein gebrauchtes BMX-Rad gekauft, mit dem er quer durch Manhatten fährt. "Ich war mit dem Rad schon im Central-Park und nachts auf dem Times Square", erzählt er.

Im Gegensatz zum Armenviertel Port Richmond gibt es in Manhattan prächtige Einkaufstraßen und eine wohlhabende Wohnbevölkerung. Unter dem Eindruck der krassen sozialen Kontraste hat Jan Eschermann einen klugen Schluss gezogen: "Es ist egal, woher man stammt, wie man aussieht oder wie viel Geld man hat. Die inneren Werte zählen."