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"Ich habe Angst, mein Haus zu verlieren"

Ernst Sonntag lebt von einer kleinen Rente (Foto: bc)
bc. Stade. Kaum ein Thema bewegt die Menschen in Stade derzeit mehr als die Diskussion um die Straßenausbau-Beitragssatzung. Dies ist die Geschichte über einen Rentner, der nachts nach eigenen Aussagen kein Auge mehr zumacht, weil ihn Existenzängste plagen. „Wenn ich 7.000 bis 8.000 Euro bezahlen muss, ist das für mich eine unvorstellbare hohe Summe“, sagt Ernst Sonntag. Der 71-Jährige lebt an der Schölischer Straße und ist von den Plänen der Stadt betroffen, die mit der Sanierung der Fahrbahn noch in diesem Jahr beginnen will. Wie berichtet, sollen die Anlieger gemäß gültiger Satzung 30 bis 40 Prozent der Kosten bezahlen. Insgesamt sollen die Anlieger mit 1,5 Mio. Euro an den Kosten beteiligt werden.
Die Ankündigung von Bürgermeisterin Silvia Nieber, dass kein Bürger sein Haus wegen der Gebühren verlieren werde, weil es z.B. die Möglichkeit der Ratenzahlung oder der Einräumung von Stundungen gebe, beruhigt Ernst Sonntag nicht: „Die Bürgermeisterin hat sich keine Gedanken um die Folgewirkungen gemacht.“ Seine schmale Rente von ca. 1.000 Euro lasse keinen Spielraum für ungeplante Sonderausgaben zu. „Was passiert denn, wenn bei mir die alte Heizung kaputt geht? Dann habe ich kein Geld für die Reparatur. Einen Kredit bekomme ich nicht mehr. Ich habe einfach Angst, dass ich das Haus nicht halten kann. Ich bin ein sicherheitsbedachter Mensch.“
Mit 59 Jahren musste Ernst Sonntag, früher Verwaltungsangestellter beim Landkreis, nach einer Erkrankung vorzeitig in den Ruhestand gehen. Er lebt allein in dem 60 Jahre alten Haus seiner Eltern: Das Grundstück ist 860 Quadratmeter groß. Ersparnisse habe er nie anhäufen können. Seinen 23 Jahre alten VW Polo betanke er nur einmal im Monat, benutzt ihn dementsprechend relativ selten. Ernst Sonntag empfindet die staatlich oktruierten Beiträge als ungerecht: „Diese Straße benutzen doch alle Autofahrer.“