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In den Räumen der "Schläferin" in Stade

Im eigens eingerichteten Seniorenschlafzimmer Dramaturg Mirko Winkel (li.), Drehbuch-Autor Tim Schramm und Regisseurin Alexandra Gerbaulet

Film-Dreh über Gatten-Mörderin Irina S. (65†) in Mietwohnung / WOCHENBLATT als "wichtige Requisite"

tp. Stade. Wer Horrorszenen sehen will, wird enttäuscht: Im Kino-Kurzfilm "Die Schläferin" über Gatten-Mörderin Irina S. (†65) aus Stade lässt die Regie Räume wirken. Für die Dreharbeiten, bei denen Original-WOCHENBLATT-Ausgaben eine wichtige Requisite sind, haben die jungen Berliner Filmemacher Mirko Winkel, Dramaturg, sowie die Regisseurin Alexandra Gerbaulet und der Drehbuch-Autor Tim Schramm mit ihrem Team von der "Pong-Film GmbH" in Windeseile eine Mietwohnung an der Dankersstraße 17 in Stade umgebaut.
Die authentische Einrichtung gibt eine Anmutung von der Enge und bedrückenden Atmosphäre, in der das laut Regisseurin "desintegrierte" russlanddeutsche Paar eine glücklose Ehe führte, die am Weltfrauentag 2011 ihr tragisches Ende nahm.

In der von der Genossenschaft Wohnstätte Stade bereitgestellten Wohnung in einem Mietsblock, der dem Originalschauplatz des Verbrechens ähnelt, sind für die Dreharbeiten die Fenster mit schwarzem Stoff verhängt, überall Kabel, Kameras und Scheinwerfer. Die Einrichtung am Set stellten die Filmprofis in Zusammenarbeit mit einem Nachlassverwalter und zwei Stader Unternehmen für Haushaltsaufösungen zusammen: ein Bügelbrett im schmalen Flur, Plastikblumen auf der Fensterbank, Häkelkissen und Platzsets, die Wolldecke auf dem Sofa mit Katzenmotiv, im Schlafzimmer das praktische Seniorenbett in Eiche hell - die mit gemusterten Läufern ausgelegte Räume strahlen eine Mischung aus "Omas Wohnung", Gelsenkirchener Barock und Russen-Schick aus.

Für viele ist es immer noch unfassbar, was sich in der kleinbürgerlichen Umgebung abspielte: Rentnerin Irina S. erschlug ihren Ehemann (†71), zerstückelte seinen Leichnam in der Küche und versteckte die Leichenteile - eingerollt in einen Teppich - im Keller. Wenige Tage nach ihrer Festnahme beging sie in U-Haft Suizid.

Die eigentliche Tat wird laut Regisseurin Alexandra Gerbaulet in dem Film nicht gezeigt. Schauspieler sind nicht zu sehen, lediglich deren Stimmen. In den Szenen des Kurzfilms zeichnen die Macher anhand menschlicher Spuren subtil die lange, traurige Geschichte häuslicher Gewalt nach, die von Nachbarn offenbar unbemerkt in einem Stader Wohnviertel ihren Lauf nahm. Irina S. war jahrzehntelang psychischer Schikanen und Schlägen ihres Ehemannes ausgesetzt, bevor sie selbst zur Täterin wurde.

Für "Die Schläferin" recherchierte die redaktionelle Mitarbeiterin des Filmteams, Ines Meier, im WOCHENBLATT-Archiv zum Thema häusliche Gewalt und las Gerichtsberichterstattungen. Die Zeitungen werden im Film eingeblendet.
Ende des Jahres soll der Kinostreifen in einer Premiere in Stade präsentiert werden.
Das Filmteam verbrachte knapp drei Wochen in Stade.