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Jeder darf hier in den Apfel beißen

am. Stade. Äpfel, Birnen und Kirschen, die hinter hohen Zäunen versteckt vom Baum fallen und verfaulen - davon kann in der Stader Ortschaft Wiepenkathen keine Rede sein. Auf einer kleinen Streuobstwiese im Pflückerweg wachsen alte Obstbäume: Pflücken ausdrücklich erwünscht! Die stellvertretende Ortsbürgermeisterin Birgit Ehrhardt (SPD) und die SPD-Fraktion des Ortsrates Wiepenkathen haben sich der alten Wiese vor rund drei Jahren angenommen. Jetzt zur Apfelerntezeit offenbart sich in dicht behangenen Apfelbäumen das Ergebnis ihrer Bemühungen.
"Das Obst ist für die Bevölkerung. Das wäre doch schade, wenn es verkommt", sagt Erhardt. Und auch auf höchster politischer Ebene hat das Frei-Obsternten eine Fürsprecherin. Bundesforschungsministerin Johanna Wanka hat sich kürzlich für eine bundesweite Nutzung von Obstbäumen und Streuobstwiesen eingesetzt. Sie fordert zum Ernten, was auf öffentlichen Wiesen wächst. Das sei eine umweltfreundliche Quelle für schmackhaftes Essen. So könnte das Beispiel der offenen Streuobstwiese in Wiepenkathen vielleicht auch über die Grenzen des Landkreises hinaus Schule machen.
Denn das Projekt passt in einen generellen Trend zur Wiedernutzung von Obstbäumen und Sträuchern auf öffentlichen Plätzen. Im Internet tragen Mitglieder der Mundraub-Comunity öffentliche Plätze ein, an denen sich Schmackhaftes frei ernten lässt: Waldheidelbeeren in Buchholz, Holunderbeeren und Mirabellen in Winsen oder Brombeeren in Dollern.
Schmackhaft ist es auch in Wiepenkathen. Die Äpfel bestehen die Geschmacksprobe mit Bravour, obwohl es vor allem Back- und Lageräpfel sind. Welche Sorten genau auf der Wiese wachsen, kann der Biologe und Ortsratsmitglied Dr. Hubert Scheid aber nicht sagen, nur dass es alte Sorten sind.
Obstbauer und "Apfelpapst" Eckart Brandt ist im Landkreis Stade keine zweite Streuobstwiese bekannt, die öffentlich zugänglich wäre. "Das ist eine reichlich unübliche aber schöne Lösung", sagt er. Das Problem sei meist die Pflege, der Wiesen und Obstbäume. Die ist kosten- und zeitaufwendig.
"Die Streuobstwiese bedarf einer besonderen Pflege", sagt auch Dr. Scheid. Das Gras wurde früher als Einstreu für den Stall verwendet. Daher auch der Name Streuobstwiese. "Heute muss das Gras zwei Mal im Jahr schonend mit einem Balkenmäher geschnitten und abgetragen werden. Nur so entsteht der magere Boden, den die Kräuter und Blumen einer echten Streuobstwiese lieben." Und nur so wird die Wiese auch zu einem echten Biotop.
In Wiepenkathen hat die SPD-Fraktion dieses Problem lösen können: Den kleinen benötigten Betrag, beispielsweise für die Mäharbeiten, übernimmt der Ortsrat. Die Pflege übernehmen Dr. Scheid und einige ehrenamtlichen Mitarbeiter.