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"Kreuz und quer, auf und ab" in Stade

Kritisieren den uneinheitlichen Wegebelag in der Fußgängerzone (v.. li.): Helga Söhl, Ilse Koppelmann und Anneliese Kolbe
 
Gebäck-Verkauf am Tag "Gemeinsam für soziale Zwecke": Carmen Oellrich und Uwe Kowald

Schwieriges Terrain für Rollator-Nutzer: Gehbehinderte Seniorin braucht eine Stunde durch die City

tp. Stade. Von durchgehender Barrierefreiheit ist die Stader City weit entfernt. Trotz Bemühungen der Politik und Verwaltung, bei Neubauprojekten barrierearmes Terrain auf der Achse Fischmarkt/Platz Am Sande zu schaffen (das WOCHENBLATT berichtete mehrfach), ist der Weg durch die Altstadt für Menschen mit Gehbehinderung zeitraubend und beschwerlich. Davon zeugen Schilderungen von drei gehbehinderten Seniorinnen, die im Gespräch mit unserer Zeitung jede Menge Schwächen der Verkehrsinfrastruktur für Fußgänger aufzeigen. Rückendeckung haben die alten Damen von der Arbeitsgemeinschaft (AG) "Barrierefreies Stade", die in Kürze an einem Aktionstag "Gemeinsam für soziale Zwecke” auf die Belange von Menschen mit Handicap aufmerksam macht.

Anneliese Kolbe (79) aus Stade kritisiert den uneinheitlichen Wege-Belag in der Fußgängerzone, wo sich stellenweise unterschiedliche Sorten "Holperpflaster" an glatten Untergrund reiht, z. B. an der Holzstraße. Das erschwere das wegen der landschaftlich bedingten Steigungen ohnehin mühselige Vorankommen mit dem Rollator. Die Seniorin, die nach eigenen Angaben eine Stunde zu Fuß von Kaufland bis zu ihrem Lieblingscafé am Ende der Holzstraße benötigt, schlägt zur besseren Orientierung eine Beschilderung und Markierung der barrierearmen Gehwegspuren vor. Als besonders unbequem empfindet sie den unebenen Bereich Am Pferdemarkt, besonders im Winter: "Bei Eis und Schnee traue ich mich nicht auf den Weihnachtsmarkt."

Ähnliche Erfahrungen hat Ilse Koppelmann (80) gemacht, die ebenfalls auf einen Rollator angewiesen ist: "In der Innenstadt geht es nur auf und ab, und kreuz und quer." Vom Huckel-Pflaster fühlt sie sich regelrecht "durchgeschüttelt". Die wegen rücksichtsloser Radfahrer als "Raser-Tunnel" am Bahnhof berüchtigte Unterführung mit steilem Gehweg meidet sie ganz.

Helga Söhl (67), die mehrmals wöchentlich mit dem Bus aus ihrem Heimatdorf Heinbockel nach Stade kommt, wünscht sie mehr Niederflurbusse mit bequemem Einstig. Zudem vermisst die alte Dame eine Buslinie nach Stadersand, wo ihr das maritime Flair gefällt.

Die drei Rentnerinnen richten auch Lob an die Stadtplaner: Ihnen gefallen die ruhige Musumsinsel mit Cafés und vielen schattigen Sitzgelegenheiten. Und: Mit Freude blicken die alten Damen auf den geplanten Bau des Einkaufszentrums "Neuer Pferdemarkt" auf dem Ex-Hertie-Areal mit barrierefreiem Vorplatz, praktischen Aufzügen und Parkhaus mit breiten Stellflächen etc.

Unisono appellieren die drei Witwen an die Stader Geschäftswelt, bei Neu- und Umbauten von Läden, Cafés und Restaurants an barrierefreie Eingänge und behindertengerechte WCs zu denken. "Immerhin geben wir bei euch unser Geld aus."

• Am Aktionstag "Gemeinsam für soziale Zwecke" am Samstag, 28. Mai, 10 bis 16 Uhr, vor den Bäckerei von Allwörden an der Holzstraße 27 führt die AG Barrierefreies Stade eine Unterschriftensammlung sowie eine Befragung zur Barrierefreiheit in der Stadt durch. Die Ergebnisse werden ausgewertet und später an Stadtbaurat Lars Kolk übergeben. Am Aktionstag, an dem sich Institutionen und Partner aus der Wirtschaft beteiligen, findet u.a. ein Bücherspendenmarkt der Aktion "...fair geht vor!” sowie ein wohltätiger Sonderverkauf des Gebäcks "Quarkfächer" der Bäckerei von Allwörden statt.