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Kunst contra Frust

Die Teilnehmer bei "JobAct" arbeiten seit Juli an dem Stück "Troja am Ende?", das am Mittwoch, 17. Dezember, Premiere feiert
bc. Stade. Ein Teufelskreis: Je länger ein junger Mensch arbeitslos ist, desto schwerer ist es für ihn, einen Ausbildungsplatz zu finden. Der Frustrationspegel steigt, das Selbstwertgefühl sinkt. Hier setzt das Projekt "JobAct Stadtleben" ein: Es richtet sich an die Gruppe der 25 bis 35 Jahre alten Langzeitarbeitslosen, die den Sprung von der Schule in die Arbeitswelt aus welchen Gründen auch immer verpasst haben. Das Besondere: Es sind die Mittel der Kunst, die den Projektteilnehmern neues Selbstbewusstsein einhauchen sollen. Elf Hartz-IV-Empfänger nehmen derzeit in Stade an "JobAct" teil.

Seit Juli arbeiten sie an ihrem eigenen Theaterstück "Troja am Ende?" - sechs Stunden am Tag, vier Tage die Woche. Dass sich die Mühe gelohnt hat, will die Gruppe bei der Premiere am Mittwoch, 17. Dezember, um 19.30 Uhr in der Seminarturnhalle in Stade beweisen.

Von der Idee bis zur Aufführung haben die Teilnehmer das Stück selbst konzipiert. In Arbeitsgruppen haben sie an der Realisierung mitgewirkt, wie z.B. am Bau des Bühnenbildes, beim Schneidern der Kostüme oder der Bedienung der Licht- und Tontechnik. "Das Medium Theater wirkt positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung der Teilnehmer ein. Es spricht Körper und Geist an", sagt Martin Kreidt vom Bildungsträger "Projektfabrik" aus Witten (Nordrhein-Westfalen) - der Erfinder von "JobAct".

Robert Schmidt ist einer dieser Teilnehmer: "Ich kann mich jetzt besser artikulieren und auch besser auf Kompromisse eingehen", sagt der Mann aus Stade. Jaqueline Hansen gehört auch zur Gruppe. Sie möchte eine Ausbildung zur Restaurant-Fachfrau beginnen: "Es ist ein Riesenspaß, bei diesem Projekt mitzumachen." Regisseur Hauke Horeis macht deutlich, worum es ihm geht: "Wir wollen die Leute aus ihrer Komfortzone herausholen."

Mit im Boot sitzt neben dem Bildungswerk Niedersächsischer Volkshochschulen auch das Jobcenter Stade. Teamleiter Thorsten Nagel schaute sich zusammen mit dem WOCHENBLATT eine Probe an: "Für uns ist es die Möglichkeit, Menschen auf anderen Wegen zu erreichen."

• Eine zusätzliche Aufführung von "Troja am Ende?" findet am Donnerstag, 18. Dezember, um 19.30 Uhr in der Seminarturnhalle (Seminarstraße 7) statt. Dauer des Stücks: ca. 50 Minuten.


So funktioniert das Projekt "JobAct"


Der Bildungsträger "Projektfabrik" hob "JobAct" 2005 aus der Taufe. Das Programm verbindet theaterpädagogische Methoden mit klassischem Bewerbungsmanagement. "JobAct" ist in zwei Teile unterteilt. In den ersten sechs Monaten erarbeiten die Teilnehmer ein Theaterstück. Die öffentliche Premiere ist der Höhepunkt. In den anschließenden vier Monaten finden Betriebspraktika statt. "JobAct" wird mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds finanziert.