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Landkreis Stade schafft neue Notunterkunft in Harsefeld

Der Landkreis übernimmt bei der Flüchtlingsunterbringung Aufgaben des Landes
(bc). Landrat Michael Roesberg geht davon aus, dass Flüchtlinge noch mehrere Monate in den drei Turnhallen in Stade bleiben müssen. Er rechnet derzeit mit Ende März. Vorerst. Eigentlich hätten laut Ansage des Landes am Freitag die ersten Flüchtlinge nach vier Wochen wieder aus den Notunterkünften ausziehen und in eine Landesaufnahmeeinrichtung gebracht werden sollen. Nur dort können sie einen Asylantrag stellen.

„Wie alle Landkreise in Niedersachsen haben wir aber keine Nachricht erhalten, dass die Amtshilfe für das Land ausläuft“, sagte Roesberg am Montag in einem Pressegespräch. Zuvor hatte er die Politik im nicht-öffentlichen Kreisausschuss informiert.

Derzeit muss der Landkreis 750 Plätze in Notunterkünften bereithalten, 600 sind an der Berufsschule und 150 an der Friedrich-Fröbel-Schule eingerichtet. Gegenwärtig sind 546 Betten belegt. Am morgigen Donnerstag erwartet der Kreis die Ankunft der nächsten 150 Flüchtlinge.

Da Roesberg mit weiteren Amtshilfeersuchen aus Hannover rechnet, hat er jetzt Vorsorge getroffen. Die Entscheidung, die Dreifach-Sporthalle am kreiseigenen Gymnasium Harsefeld als Notunterkunft für 300 Flüchtlinge vorzubereiten, ist bereits gefallen. Mit dem Möbeldiscounter „Poco“ steckt man noch in Verhandlungen über die Anmietung des leerstehenden früheren „Max Bahr“-Baumarktes im Stader Gewerbegebiet. Die Halle der BBS in Buxtehude, vielmehr das Gelände drumherum, sei aufgrund der beengten Platzverhältnisse ungeeignet.

In der Nacht zu Montag sind erneut 161 Flüchtlinge im Kreishaus angekommen, die sich diesmal alle erfassen ließen und in die Notunterkünfte einzogen. Die meisten stammen aus Syrien (76), 65 kommen aus Afghanistan. 76 sind minderjährig.
Insgesamt erreichten den Landkreis jetzt 1.230 Menschen im Rahmen der Amtshilfe für das Land. Der überwiegende Teil ist schon auf eigene Faust weitergereist (das WOCHENBLATT berichtete).

Die Bitte, die Landrat Michael Roesberg den Schutzsuchenden am Dienstag persönlich antrug, lautete, Geduld zu haben. Bis ihre Asylverfahren beginnen, könnte es noch mehrere Wochen dauern. Der Landkreis werde ihnen aber bei der Antragstellung helfen. Zunächst gelte es, die formalen Voraussetzungen zu schaffen. Zum Beispiel die notwendige Röntgenuntersuchung zu absolvieren. „Wir nehmen die Unterlagen dann mit in die zuständige Landesaufnahmebehörde nach Bramsche“, so Roesberg. Es sei Unsinn, die Flüchtlinge wieder alle zurück in die Landesaufnahmeeinrichtungen zu schicken.

Unterdessen hat der Landkreis alle elf Städte und Gemeinden im Kreisgebiet aufgerufen, weitere Gebäude als mögliche Notunterkünfte zu melden. Dabei gilt: Öffentliche Immobilien haben Vorrang vor privaten. Nur Liegenschaften mit einer Mindestgröße von 300 Plätzen kämen in Frage.

Roesberg: „Wir müssen Vorsorge treffen.“ Bisher habe die Bundesregierung keine Entscheidung getroffen, die die Flüchtlingsströme in geordnete Bahnen lenken würde. Der Landrat rechnet damit, dass bis Ende des kommenden Jahres fast 5.000 Flüchtlinge im Landkreis leben werden.