Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Letzte Lühe-Jolle bekommt Ehrenplatz im Horneburger Handwerksmuseum

Idylle an der Lühe in Steinkirchen um 1900. Die "Nixe" hieß damals noch "Der junge Johann" (Foto: privat)
lt. Horneburg. Sie ist die letzte ihrer Art und deshalb umso wertvoller: die 132 Jahre alte Lühe-Jolle "Nixe" transportierte einst Äpfel und Zwetschgen aus dem Alten Land bis nach Schottland und Russland. Jetzt soll sie einen Ehrenplatz im Horneburger Handwerksmuseum bekommen.
Darüber freut sich besonders der Lühe-Aue-Verein. Die Mitglieder bekamen 2008 einen Tipp und kauften das Wrack, das zuletzt mehrere Jahre auf einer Büsumer Werft lag. Fleißige Helfer holten einen kompletten Anhänger voll mit Erde, Müll und kleinen Bäumen aus der "Nixe" und konservierten das Holz mit mehreren Anstrichen. Finanzielle Unterstützung erhielt der Verein damals von dem Ende 2013 verstorbenen Reeder Hans Heinrich. Er erlaubte dem Verein auch, die Jolle auf dem Pionierübungsplatz in Grünendeich zwischenzulagern.
Dass der zehn Meter lange Holzkutter noch existiere, sei eine kleine schifffahrtsgeschichtliche Sensation, sagt Hobbysegler und Schiffsexperte Vicco Meyer aus Buxtehude. Er hat sich mit der Geschichte der Lühe-Jollen beschäftigt und weiß viel Spannendes zu berichten.
So gab es um 1830 in der Lühe 175 Jollen. Rund 60 davon wurden auf der kleinen Sietas-Werft in Grünendeich gebaut, genau wie die "Nixe". Nach Meyers Recherchen ließ der Schiffer Claus Müller aus Steinkirchen die Jolle 1884 bauen und taufte sie auf den Namen "Der junge Johann". Landwirt Johann Garrn übernahm die Jolle 1905, gab ihr den Namen "Meta-Marie" und handelte von Hamburg aus mit Obst.
Auf den Lühe-Jollen war nur Platz für höchstens zwei Mann Besatzung. Im Vorschiff gab zwei winzige Kojen, einen Schrank und einen Herd. Unvorstellbar, dass zwei Männer in dieser Enge über Nord- und Ostsee bis nach England, Schottland, Tallin und St. Petersburg schipperten, so Meyer.
Einige Jollen brachten z.B. halbreife Zwetschgen nach Schottland, wo sie vergoren und zu Schnaps gebrannt wurden. Als Rückfracht kam Weizen an Bord, der in Otterndorf als Saatgut verkauft wurde. In Tallin tauschten die Altländer früher Äpfel gegen Holz und verdienten daran "tausende von Goldmark".
Die letzte Lühe-Jolle war außerdem von 1932 bis 1975 unter den Namen "Marie" und "Nixe" als Krabbenkutter vor Büsum im Einsatz. Bis 1990 wurde die Jolle als Sportboot genutzt und nach einem Wassereinbruch schließlich an Land gesetzt.
Der Unterstand für die "Nixe" am Horneburger Handwerksmuseum kostet rund 40.000 Euro. Der Flecken Horneburg beteiligt sich mit 7.000 Euro. Weitere 7.000 Euro sollen von der Samtgemeinde kommen, 3.000 Euro schießt der Lühe-Aue Verein dazu. Der Rest soll über Fördermittel finanziert werden.
Das Museum in Jork hatte übrigens auch Interesse an der Jolle. Museumsleiter Dieter-Theodor Bohlmann hatte vor 2014/2015 bereits ein Konzept entwickelt. Letztendlich scheiterte das Vorhaben an der Gemeinde, die Folgekosten fürchtete, so Bohlmann.