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Letzte Ruhe in einem Kunstwerk in Stade

Friedhofsverwalter Helmut Engelbrecht an einem der drei neuen Kulumbarien auf dem Horst-Friedhof
 
Helmut Engelbrecht auf dem kirchlichen-Horst-Friedhof: die drei Bestattungstürme verfügen über jeweils 16 Urnenfächer

Individuell bis in den Tod: Moderne Kolumbarien sind der Bestattungstrend auf dem Horst-Friedhof

tp. Stade. Wie Wolkenkratzer in Manhatten ragen die futuristisch anmutenden Türme aus Aluminum und Granit in der Modefarbe "Blue Pearl" (Blaue Perle) aus dem Gräberfeld des kirchlichen Horst-Friedhofes in Stade empor. Jetzt, an den stillen Tagen zwischen Halloween und Advent, an denen die Menschen den Toten gedenken und die Gräber besuchen, können sie sich dort mit dem neuen Bestattungstrend vertraut machen. "Individualität über den Tod hinaus" sei der verbreitete Wunsch, sagt der erfahrene Friedhofsverwalter Helmut Engelbrecht (60), trotzdem müssen die letzten Ruhestätten pflegeleicht sein.

Hersteller von Steinmetzkunst reagieren auf die Nachfrage mit sogenannten Kolumbarien - entlehnt aus dem Griechischen für Taubenschlag: mehr als mannshohe Grabstelen, aber auch Regal-artige Mauern mit Urnenfächern.
Bereits seit einigen Jahren bietet der Stader Horst-Friedhof, u.a. aber auch die städtischen Friedhof am Geestberg und der Waldfriedhof in Buxtehude, die Bestattung in Kolumbarien an.

In den beiden älteren Urnen-Türmen auf dem Horst-Friedhof sind sämtliche der jeweils 16 Fächer belegt beziehungsweise reserviert. Unter anderem von Ehepaaren: Denn in jedem Fach ist Platz für zwei Urnen. Auf den Verschlussplatten werden Namen, Geburts- und Todesdatum graviert. So auch in den drei neuen, ebenfalls mit je 16 mal zwei Bestattungsplätzen ausgestatteten, rund zwei Meter hohen, edlen Metall-Stein-Klötzen, die sich übrigens optisch an den kubischen Neubau eines Lagers für Friedhofsgärtner-Geräte und Fahrzeuge anpassen.

Die Entscheidung für ein Urnengrab im Kolumbarium falle immer aus ähnlichen Gründen, so Fachmann Engelbrecht. Weil es häufig keine Angehörigen in der Nähe gibt, die sich um ein herkömmliches Erdgrab kümmern könnten, oder weil die Verstorbenen kinderlos sind, fiel die Wahl auf die pflegeleichten Kolumbarien ohne Blumenbeet. Bei aller Rationalisierungstendenz verspüre er bei den Kunden den Wunsch nach Individualität, die die wie Denkmäler wirkenden Design-Türmchen bieten.

Der Kolumbarien-Mode zieht Kreis bis aufs platte Land: Auch die Gemeinde Drochtersen in plant laut Helmut Engelbrecht Grabstätten nach dem Stader Vorbild. Der Kirchenvorstand verschaffte sich jüngst einen Eindruck von den drei baugleichen geometrischen Blöcken. Die Ruhefrist beträgt übrigens 25 Jahre mit der Option auf Verlängerung.

Der Trend zur Individualisierung verzeichnet Friedhofsverwalter Engelbrecht auch auf den ebenfalls pflegeleichten Kisstensteingräbern für die Unrnenbestattung. Hinterbliebene schmücken die eigentlich genormten Mini-Urnenkräber je nach Geschmack mit kleinen Figuren, persönlichen Gegenständen wie Miniaturautos oder auch Plastikblumen. Anders als auf dem städtischen Friedhof verhängt die Leitung des Horst-Friedhofs keine Deko-Sperre auf Schlichtgräbern. "Der Mensch will keine Nummer sein, nicht in der Masse untergehen, auch nicht nach dem Tode", sagt Engelbrecht. In der stetigen Abnahme der Nachfrage nach Bestattung auf halbanonymen Gräberfeldern sieht er seine Beobachtung bestätigt.