Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

"Lost Place": Kleinpflaster als Pioniertat

Hans-Jürgen Haase, Leiter der Landesbehörde für Straßenbau in Stade, ist einer der Nachfolger von Baurat Gravenhorst, der als Erster normierte Granitsteine verlegen ließ
bc. Stade. Wenige Leute, die sich auf dieser gepflasterten Straße bewegen, wissen tatsächlich, welche Geschichte hinter den kleinen Steinen steckt. Ein alter, kurzer und holpriger Weg parallel zur B74 in Stade, kurz hinter der Kreuzung mit der B73, ist eines der letzten Relikte des wohl größten Straßenbau-Pioniers der Hansestadt. Ein "Lost Place" für unsere Serie, wie er im Buche steht.

Heinrich Ludwig Dietrich Friedrich Gravenhorst heißt der Pionier, der als Erster überhaupt im Straßenbau das standardisierte Kleinpflaster einführte. Das war 1885. Eine Erfindung, die von Stade aus ihren Siegeszug nach ganz Europa und Übersee antrat.

Hier, abzweigend vom Gravenhorst-Weg, liegen noch Teile dieser besonderen Pflastersteine aus der Gravenhorst-Periode. Hans-Jürgen Haase, Leiter der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Stade, hat sich mit ihrer Geschichte beschäftigt.

Haase ist einer der Nach-Nach-Nach-Nachfolger von Baurat Gravenhorst. Vielleicht sitzt er sogar im selben Büro im Behördenhaus in Stade wie früher Gravenhorst. Das weiß man nicht mehr so genau. Auf jeden Fall hat Haase einen berühmten Vorgänger.

Gravenhorsts Mission war es, den Wegebau zu revolutionieren. Anno 1873 übernahm er als Wegebauinspektor die Leitung des Landesbauamts Stade. Damals wurden Straßen hauptsächlich aus unterschiedlich großen Findlingen hergestellt. Manchmal wurden sie auch vor Ort zerschlagen und in einer Art Schotterschicht als Straßenbelag verwendet.

Gravenhorst, an den im gleichnamigen Weg in Stade auch ein Gedenkstein erinnert, war es dann, der auf einer Versuchsstrecke, der Ritzebütteler Chaussee, würfelförmige Granitsteine mit einer Kantenlänge von vier bis sechs Zentimetern verlegen ließ. Eine vergleichsweise ebene und vor allem widerstandsfähige Straßendecke.

Und kein Kopfsteinpflaster, wie Haase betont, sondern normiertes Natursteinpflaster. "Diese Form des Straßenbaus fand noch bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts vielerorts Verwendung", weiß Haase. Es war sogar der in Europa am häufigsten verwendete Straßenbelag. Und alles entstand in einem Büro in Stade.