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Millionen waren für die "Tonne"

Ex-"Tonnen"-Wirt Peter Mittnacht

Langjähriger Macher der Stader Kult-Dico ist stolz auf Revival-Welle, warnt aber vor zuviel Enthusiasmus

tp. Stade. Trauer um ein verlorenes Vermögen, aber auch ein Quäntchen Stolz auf das Lebenswerk: Mit gemischten Gefühlen begegnet Ex-Diskothekenbetreiber Peter Mittnacht (56) der von früheren Stammgästen angeschobenen Revivalbewegung um den Stader Tanzschuppen "Mülltonne". Er freut sich über Lob und schöne Erinnerungen, die Fans auf der Facebook-Seite "Mülltonne Stade - Das waren Zeiten" miteinander teilen. Angesichts lauter werdender Rufe nach einer Wiedereröffnung warnt Mittnacht jedoch vor zuviel Enthusiasmus.

Den WOCHENBLATT-Bericht über aufregende Partynächte mit der Getränke-Rabattaktion "Schwabbel-Dabbel", die für manche Gäste auf der Flokati-Fell bezogenen Bank, der "Koma-Ecke", endete, "klickten" online mehrere Tausend Leser an. Bei der Facebook-Gruppe wurden rund 200 neue Freundschaftsanfragen bestätigt. Die ersten Insider spielen mit dem Gedanken eines Neustarts: "Ich würde sie ideell unterstützen und ihnen keine Steine in den Weg legen", sagt Mittnacht, der Lizenzen auf Logo und Co. hat. "Doch für mich ist die Zeit vorbei."

Zu Spitzenzeiten lockte Mittnacht, der die 1976 gegründete "Tonne" 1983 übernahm, mit einem alternativen Musikmix, Live-Bands und einer urgemütlicher Hippie-Atmosphäre mehr als 1.000 Gäste pro Abend den engen Tanzschuppen an der Bungenstraße. In der Altstadt standen mitunter 500 Personen Schlange: Banker, "Müslis", Punks. Die Tagesumsätze lagen im fünfstelligen Bereich. Sich häufende Beschwerden wegen Ruhestörungen führten zu einer Umsiedlung ins Gewerbegebiet am Harschenflether Weg.

Mittnacht investierte "ein Millionenvermögen" in einen Hallenanbau, Sanitäranlagen, Licht- und Tontechnik. Einkauf, Band-Booking, Buchhaltung und Kontrolle der bis zu 30 Angestellten forderten Mittnachts gesamte Kraft. "Ich stand kurz vor dem Burnout."

Zu gesundheitlichen Problemen gesellten sich strenger werdende behördliche Brandschutzauflagen, hohe Vergnügungssteuer und anderes mehr. Mittnacht gab die Regie der "Tonne" an Pächter ab, die unter dem Namen "X-Puls" nach seiner Auffassung das "falsche Konzept" verfolgten. Das Ende: Zwangsversteigerung im Jahr 2003. Mittnacht, der früher eine Cadillac-Limousine fuhr, lebt heute von Hartz-IV-Leistungen.

Bis heute ist er stolz auf das charmante Ambiente der "Mülltonne", für deren Namen die "All Night Drunken Junk (Müll) Band" aus Stade Pate stand. "Sauber genug, um gesund zu bleiben. Dreckig genug, um sich wohlzufühlen", lacht er.

Übrigens: Entgegen anders lautender Gerüchte hat Mittnacht "alle zwei Jahre" den völlig verschmutzten Flokati-Bezug der Sitzbank ausgewechselt. Das letzte Stück Fell sicherte sich der Krautsander Künstler Jonas Kötz. Er rahmte den Fetzen ein und verschenkte ihn an ein Brautpaar, das sich in der "Tonne" ineinander verliebt hatte.