Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Mit dem Handyspiel "Ingress" die Stadt erobern

Christian Brey vom Widerstand (li.) kämpft mit dem Erleuchteten Arnulf Dirro um das Portal Flethenkieker in Buxtehude (Foto: am)
 
Stade ist zur Zeit in blauer Hand: So sieht eine "Ingress-Landkarte" auf dem Handy aus (Foto: am)
(am.) Der Flethenkieker in Buxtehude ist ein Portal, ein grünes Portal. Das können Christian und Jasmin Brey von der blauen Fraktion auf keinen Fall gutheißen. Sie stehen neben der Statue. Mit einem Fingertippen auf dem Handy färben sie das Portal blau: Der Flethenkieker ist erobert - solange bis ihn wieder jemand grün färbt.
Der andauernde "Kampf" um den Flethenkieker und Tausende andere Sehenswürdigkeiten - ob in Winsen, Stade oder auf der ganzen Welt - ist Teil des Handy-Reality-Spiels "Ingress", das momentan einen Boom erlebt.
Jeder neue Mitstreiter entscheidet sich beim ersten Spiel, ob er für die Erleuchteten (grün) oder den Widerstand (blau) kämpfen möchte. Dann erobert er alleine oder in Gruppen Sehenswürdigkeiten, die im Spiel Portale genannt werden. Dazu heißt es: runter vom Sofa und per pedes zum Portal. Über die Koordinaten, die das Handy sendet, erkennt die App die Sehenswürdigkeit als Portal.
Ziel ist es, für die eigene Seite möglichst viele Sehenswürdigkeiten in der eigenen Stadt oder Umgebung zu erobern. Eine Fantasy-Hintergrundgeschichte (siehe Infokasten) verknüpft dabei die Realität mit der virtuellen Welt.
Christian Brey ist Mitglied in der Buxtehuder Ingress-Gemeinschaft im Internet. Er ist Spieler der ersten Stunde. "Als ich angefangen habe, haben nur ITler und Freaks Ingress gespielt. Es gab null Informationen darüber im Netz. Ich bin per Zufall darauf gestoßen und habe lange auf meine Einladung gewartet." Als das Spiel 2012 auf den Markt kam war der Zutritt zum Spiel limitiert. Erst nach einem halben Jahr öffnete der Hersteller langsam den Zugang. Jetzt kann sich jeder das Spiel herunterladen.
Die Verbindung zur Realität mache einen großen Teil des Reizes aus, sind sich Jasmin und Christian Brey einig. "Wir haben unsere Stadt so ganz neu kennengelernt." Die Spieler sind in der Regel zu Fuß unterwegs. "Einige fahren auch mit dem Auto, aber ich bin Laufbefürworter. Ich habe die 4.000 Kilometer bald geknackt", sagt Olaf Rehorst, der zu der grünen Fraktion in der Buxtehuder Online-Gemeinschaft gehört. Und auch Philipp Faby aus Stade ist von dem Spiel begeistert, "weil es einen an die frische Luft lockt".
Zudem bietet das Spiel Nervenkitzel: "'Ingress' ist ein Agentenspiel. Es ist schon nervenaufreibend, wenn wir bei groß geplanten Aktionen an einen geheim verabredeten Ort fahren und hoffen, dass uns keiner von der gegnerischen Fraktion sieht", sagt Jasmin Brey. Wenn Aktionen über Ortschaften, Städte, Landkreise oder gar Länder organisiert werden, wird das manchmal mit Dutzenden von Akteuren geheim geplant. Nicht die kleinste Information darf dabei zur gegnerischen Fraktion durchsickern, sonst könnten diese den Plan mit einem geschickt platzierten Portal vereiteln.
Im realen Leben sind die Spieler aber keine Gegner. Die Mitglieder der Buxtehuder Gemeinschaft - egal ob Erleuchtete oder Widerstand - sind vernetzt und befreundet. Sie treffen sich zum Spielen aber auch mal auf einen Kaffee. Und wenn sie verreisen, verabreden sie sich im Internet mit anderen Ingress-Spielern in Buchholz, Dänemark oder Amerika.
• Das Spiel kann über den Appstore unter dem Stichwort "Ingress" (für Android und iOS) heruntergeladen werden.
INFOKASTEN: Die Menschen haben irgendwann eine geheimnisvolle Energie, die "Exotic Matter", auf der Erde entdeckt. Vor allem an den Portalen häuft sich die außerirdische Materie. Die Menschheit hat sich danach in zwei Fraktionen aufgeteilt: die Erleuchteten (grün), die diese Materie für neue Technologien und Fortschritt nutzen wollen und den Widerstand (blau), der die Nutzung der "Exotic Matter" skeptisch sieht. Jetzt stehen sich die beiden Fraktionen in einem Dauerkampf gegenüber.