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Mit Schlagern durch die Dunkelheit

Übt oft stundenlang Keyboard: Thomas Sölter

Von Geburt an blind: Musik wurde für Keyboarder Thomas Sölter (42) zur Leidenschaft



tp. Drochtersen. "Wie zwei Sterne in der Dunkelheit", heißt ein Hit von Helene Fischer. Für Thomas Sölter (42) haben Lieder wie diese eine ganz besondere Bedeutung. Er ist von Geburt an hochgradig sehbehindert. Das Gehör ist für ihn besonders wichtig, denn Musik ist seine Leidenschaft. Seit seiner Jugend spielt Thomas Sölter Keyboard.
"Am liebsten mag ich Schlager", sagt Vollblut-Musiker Sölter, der mit zwei Brüdern (heute 40 und 45) im beschaulichen Drochtersen-Dornbusch im Land Kehdingen aufwuchs. "Thomas war noch im Krabbelalter, als ich sein Rhythmusgefühl entdeckte", sagt sein Vater Ewald Sölter (67) stolz. Der Kleine habe taktfest auf dem Glockenspiel musiziert. Auf der Hamburger Blindenschule, die Thomas elf Jahre lang besuchte, spielte er Schlagzeug im Schulorchester. Schließlich sattelte der Junge auf die Tasteninstrumente Orgel und Akkorden um, paukte fleißig Tonleitern und Harmonien in Dur und Moll. Jede Taste mit der Note C hat er mit einem Stück Pflaster beklebt, um den Anfang einer Oktave ertasten zu können. Ein versierter Kirchenorganist, bei dem Thomas als Jugendlicher Unterricht nahm, versuchte, ihm die Marotte abzugewöhnen - ohne Erfolg. Die Klebestreifen sind Thomas' Markenzeichen geworden, obwohl er sein riesiges Repertoire längst "blind" spielt und das im wahrsten Wortsinn: Er erkennt nur Hell- und Dunkelkontraste, und aus der Nähe kann er Farben unterscheiden.
Thomas hat sich in seiner Heimat Kehdingen als Tanzmusiker einen guten Namen gemacht, spielt gelegentlich auf Goldenen Hochzeiten, runden Geburtstagen, auf Festen des Heimatvereins oder bei der Insel-Fete auf Krautsand. Immer an seiner Seite ist Vater Ewald Sölter, der ihn als Sänger begleitet.
Thomas Sölter, der aufgrund seiner Sehbehinderung keinen Beruf ausüben kann und noch bei seinen Eltern wohnt, ist mit seinem Leben "rundum zufrieden". "Ich habe nur selten Langeweile", sagt er, "denn auch mit den Ohren gibt es viel zu entdecken" - besonders in der Natur: Thomas Sölter erkennt alle heimischen Vögel am Gesang.