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Mit Strom zu mehr Muskelkraft

Ich stehe in der Grundposition, Anna Dehning lässt den Strom fließen (Foto: lt)
 
Vor dem Training steht die Verkabelung (Foto: lt)

Was steckt hinter dem neuen Fitnesstrend EMS? WOCHENBLATT-Redakteurin und "Couch-Potatoe" Stephanie Bargmann hat es ausprobiert und einmal unter Strom trainiert

sb. Stade. Ein Fitnesstraining, bei dem elektrischer Strom durch die Muskeln fließt - wollen Sie das mal ausprobieren? Weil es total abgefahren klingt, will ich das auf jeden Fall. Und so vereinbare ich einen Termin für ein EMS-Probetraining in der neuen "GrandeArea Sports" von Anna Dehning in Stade.
Vorher schnell ein Blick ins Internet, damit ich weiß, auf was ich mich einlasse. EMS steht für Elektromuskelstimulation und wird bereits seit Jahren erfolgreich als Reha-Maßnahme in der Physiotherapie angewandt. Elektroden stimulieren die Muskulatur mit niedrigem Reizstrom. Das gleicht dem Reiz, den das Gehirn bei körperlicher Anstrengung über die Nerven an die Muskeln weitergibt. Die Folge ist ein doppelter Trainingseffekt. Weiterer Vorteil des EMS-Trainings ist, dass alle Muskelgruppen gleichzeitig beansprucht werden. Deshalb ersetzt ein 20-minütiges EMS-Training vier bis fünf Stunden herkömmliches Krafttraining.
Das klingt super. Ich bin sportlich gesehen ein Faulpelz und fühle mich in meiner Komfortzone auf dem Sofa ausgesprochen wohl. Meine Mitgliedschaften im Fitness-Studio und im Sportverein liegen Jahrzehnte zurück. Für Fitness-, Gesundheits- und Personaltrainerin Anna Dehning bin ich also eine kleine Herausforderung.
Für das Training schlüpfe ich in eine spezielle Funktionswäsche. Darüber kommen eine verkabelte Weste und diverse Gurte. Die Elektroden werden mit warmem Wasser besprüht, damit sie später den Strom besser in meine Muskeln leiten. Anna Dehning zieht alles wie ein Korsett fest an. "Schon dass zaubert zwei Kleidergrößen weg", scherzt sie und schließt die Verkabelung an das EMS-Gerät an. Es kann losgehen.
Ich stelle mich unter Anleitung in die Grundposition und spanne alle Muskeln an. Nach und nach lässt die Personaltrainerin Strom durch die einzelnen Muskelgruppen fließen und fordert mich auf, ihr zu sagen, wie hoch ich die Spannung haben möchte. Es kribbelt und vibriert, ist anstrengend, aber nicht unangenehm.
Dann beginnt das Intervalltraining: Vier Sekunden fließt der Strom, vier Sekunden ist Pause. In der passiven Phase wird entspannt und eingeatmet, in der aktiven Phase angespannt und ausgeatmet. Den Rhythmus finde ich schnell. Dann kommen einzelne Übungen dazu. Beugen und drehen, hoch und runter - ich komme ins Schwitzen. Und versuchen Sie mal, unter Strom auf einem Bein zu stehen! Anna Dehning feuert mich an, lobt mich, korrigiert jede Fehlhaltung. Ich beginne, das Personal Training zu schätzen. Hier geht es nur um mich.
Nach 20 Minuten Trainingszeit bin ich mit meiner Kraft am Ende. EMS ist extrem anstrengend. Zum Glück ist das Training genau in dem Moment vorbei, in dem ich aufhören möchte.
Eine halbe Stunde später fühle ich mich ausgesprochen gut. Meine Kollegen sagen, sie haben mich lange nicht so entspannt gesehen. Um neun Uhr liege ich im Bett - ich bin todmüde. Der Muskelkater am Tag danach hält sich in Grenzen.
Ist EMS-Training etwas für mich? Es hat viel Spaß gemacht und war sehr effektiv. Allerdings hat das Training seinen Preis. Eine Jahresmitgliedschaft bei "GrandeArea Sports" mit einem EMS-Termin pro Woche kostet 89 Euro pro Monat, bei zwei Trainingseinheiten sind es 160 Euro. Es gibt jedoch auch Testabos, Zehnerkarten und Geschenkgutscheine ab 20 Euro. Wer einmal etwas ganz Besonderes verschenken oder ausprobieren möchte, dem kann ich EMS nur empfehlen.
www.grandearea-sports.de