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Mutter des mutmaßlichen Sextäters sagt: "Er ist eine tickende Zeitbombe"

Gitti Kunert hält ihren Sohn für "eine tickende Zeitbombe" (Foto: ig)
bc/ig. Drochtersen. Wie empfindet eine Mutter, wenn sich ihr Sohn wegen sexuellen Missbrauchs an einem fünfjährigem Mädchen vor Gericht verantworten muss? Gitti Kunert (64) aus Drochtersen ist eine solche Mutter. Die mutmaßliche Tat ihres Sohnes wird derzeit vor dem Landgericht Stade verhandelt. Im WOCHENBLATT spricht sie über ihre Gedanken und Gefühle: „Das eine ist die schreckliche Tat. Aber auch die schlimmen Vorwürfe, die er an die Familie richtet, um wohl der Sicherheitsverwahrung zu entgehen, machen mich krank.“

Wie berichtet, soll sich der Angeklagte (38) im August 2015 in Drochtersen (Landkreis Stade) an einem Kind vergangen haben. Vor Gericht dementiert er die Vorwürfe trotz der belastenden DNA-Untersuchungen. Er könne sich nur bruchstückhaft erinnern, er sei zu betrunken gewesen. Kommenden Donnerstag, 7. April, soll ein Urteil gesprochen werden. Der Mann verbüßte bereits mehrjährige Haftstrafen wegen Vergewaltigung einer jungen Frau und wegen eines „Taxiraubes“.

Gitti Kunert kann das Verhalten ihres Sohnes vor Gericht nicht nachvollziehen. Als sie in den Zeitungen las, dass ihr Sohn behauptete, er habe unter einem schlechten Elternhaus, den wechselnden Partnern seiner Mutter, den häufigen Wohnungswechseln und Schlägen des Vater gelitten, habe sie nur weinen können. „Er sagt die Unwahrheit“, schluchzt Gitti Kunert. Es sei nicht das Elternhaus gewesen, das ihn zum Schlechten beeinflusst habe, sondern er selber – mit Lügen, Betrug und Aggressionen.

Sie habe keine wechselnden Bekanntschaften gehabt: „Meine Männer sind verstorben. Von seinem Stiefvater habe ich mich nach 18 Jahren scheiden lassen. Er hat ihn 18 Jahre erzogen. Ja, es gab mal ein paar Backpfeifen oder Stubenarrest. Aber er wurde nicht misshandelt.“

Aus beruflichen Gründen musste die Familie tatsächlich alle drei Jahre umziehen. „Was aber für ihn ein Glück war“, sagt seine Mutter, „denn aufgrund seines Verhaltens flog er von fast jeder Schule.“ 1987 willigte sie schließlich ein, ihren Sohn für ein Jahr in ein Heim zu geben. „Da stand das Rostocker Jugendamt vor der Tür. Hätte ich nicht eingewilligt, wäre mir das Erziehungsrecht aberkannt worden“, erzählt die Frau. Dass er im Heim für schwer erziehbare Kinder vergewaltigt worden sei, sei eine Schutzbehauptung, weil er auf ein niedriges Strafmaß abziele.

Die Frau hätte gern im Prozess ausgesagt. In ihrer Enttäuschung bat die fünffache Mutter den zuständigen Staatsanwalt, dass auch sie vorgeladen werde. „Die Vorwürfe müssen korrigiert werden“, schreibt sie in dem Brief: „Ich laufe Spießruten im Ort. Darunter leidet die ganze Familie.“

Ihr Sohn habe zwei Charaktere: hilfsbereit und höflich auf der einen Seite - andererseits stark geltungsbedürftig, jähzornig, rechthaberisch, sexsüchtig - vor allem unter Alkoholeinfluss. „Er ist eine tickende Zeitbombe“, sagt die Mutter.
„Ich hoffe, er erhält seine gerechte Strafe mit Sicherheitsverwahrung.“