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Neues Zuhause für minderjährige Flüchtlinge in Stade

Sprachmittler unterstützen die Jugendlichen (Foto: Betzien und Schmidt Soziale Dienste Hamburg)
 
Kümmern sich um jugendliche Flüchtlinge (v. li.): Martina Fassauer (Johanniter), Kreis-Jugendamtsleiter Jens Schreiber, Sozialdezernentin Susanne Brahmst, Andrea Ehmke (Jugendamt), Sebastian Beck (B+S Soziale Dienste)

Umzug in Stade: Berufsschul-Sporthalle wird frei / Fröbel-Schule schafft Platz für insgesamt 55 Jugendliche

tp. Stade. Insgesamt 110 minderjährige Flüchtlinge aus Krisenregionen leben im Landkreis Stade, 71 davon in den Turnhallen der Berufsbildenden Schulen (BBS II) und der Fröbelschule. Oft sind diese Notunterkünfte die ersten Orte, an denen sie nach Gewalterfahrungen im Krieg, Verlust geliebter Familienmitglieder und monatelanger strapaziöser Flucht wieder Ruhe und Geborgenheit erleben. Für viele der 35 jungen BBS-Flüchtlinge in der BBS-Halle steht nun erneut ein Umbruch ins Haus: Am Samstag, 10. Dezember, ziehen sie in die Halle der Fröbelschule, wo bereits 36 Altersgenossen leben. Dabei wirken die Jugendlichen an der Gestaltung ihren neuen, vorübergehenden Zuhauses mit.

Hintergrund der Zusammenlegung ist die sinkende Zahl der Zuweisungen von Flüchtlingen an den Landkreis durch Bund und Land, sodass die Notunkerkunft an der BBS zum Jahresende geschlossen wird.

Bei einer Pressekonferenz präsentierte Sebastian Beck, Geschäftsführer der „Betzien und Schmidt Soziale Dienste Hamburg“, die im Auftrag des Landkreises Stade mit 24 Mitarbeitern in der BBS-Halle die soziale Betreuung der Jugendlichen rund um die Uhr sicherstellt, die Entwürfe. An den Plänen für die neue Unterkunft in der Fröbel-Halle, die in Teilen umgestaltet wird, wirkten die minderjährigen Flüchtlinge mit Ideen und Skizzen mit.

Zum einen müssen weitere Wohn-Abteile, sogenannte Waben, geschaffen und möbliert werden. Weiter ist ein altersgemäßer Gemeinschaftsbereich im Stil eines Jugendtreffs mit gemütlicher Sitzecke mit Hängematte „zum Chillen“, Kicker-Tisch und ein großes Boden-Schachspiel Teil des Konzeptes. Eine kostenlose WLAN-Verbindung ins Internet gehört zur Grundausstattung, denn die überwiegend männlichen Flüchtlinge, die aus Krisenländern wie Syrien, Afghanistan, Irak und Guinea stammen, halten per Handy Kontakt zu Angehörigen.

Besuch von Freunden ist willkommen. Wer ein- und ausgeht, bewachen die persönlichen Betreuer, die den Schützlingen durch den Alltag und beim Spracherwerb helfen. Alkohol und Zigaretten sind tabu.

Bis die zur Flüchtlingsunterbringung provisorisch umgebaute Halle der BBS wieder für den Schulsport genutzt werden kann, vergehen wohl noch Monate. Der Landkreis führt erste Gespräche mit den Handwerkern über den Sanierungsbedarf.
Insbesondere der Fußboden wurde stark in Mitleidenschaft gezogen.

Am Betrieb der Notunterkünfte sind außerdem die Johanniter mit der Versorgung und Infrastruktur beteiligt, bringen das Essen auf den Tisch. Johanniter-Teamleiterin Martina Fassauer berichtet, dass sich - nach anfänglichen Schwierigkeiten mit dem Speiseplan - Koch und Jugendliche „kulturell angeglichen“ haben: Beliebt seien Gerichte mit Reis, Bohnen oder Couscous aus Hartweizen, „statt immer nur Kartoffelbrei“. Viel junge Männer seien hervorragenden Köche und stünden gerne mit am Herd.

Bis Jahresende sind ein knappes Dutzend Jugendliche volljährig und wechseln in andere Einrichtungen, überwiegend in das betreute Wohnen bzw. die Heimerziehung. An der Fröbel-Schule wird die Zahl der Jugendlichen zum Jahresende bei 55 Bewohnern liegen.

Dort geht die Arbeit weiter: Um die Integration zu fördern, erhalten die Jugendlichen sowohl an der BBS und durch die Stader Privatschule Sprachunterricht. Ziel ist der Besuch von Regelschulen bzw. die duale Berufsausbildung. „Hierzu ist jedoch ein ausreichendes Sprachniveau erforderlich“, betont Kreis-Jugendamts-Chef Jens Schreiber. Das Amt steht mit Handwerksbetrieben in Kontakt, die dringend Azubis suchen, etwa im Bäcker- und Maurerberuf.