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Notunterkunft in Stade: Reibungsloser Ablauf dank Ehrenamtlicher

Die DRK-Mitarbeiter Tobias Weber (li.) und Sebastian Bosse bei der Essensausgabe. Sonntagmittag gab es schweinefleischlose Hackbälle und ein vegetarisches Gericht
 
An alles ist gedacht: Hier im Spind lagert Frank Burfeindt (DRK) Windeln
Es ist eine Herkules-Aufgabe, die die ehrenamtlichen Helfer vom DRK, von den Johannitern, Maltesern, von der DLRG, vom THW und von der Feuerwehr derzeit leisten. Innerhalb weniger Stunden richteten sie in der BBS III und den zwei Sporthallen an der Glücksstädter Straße in Stade eine Notunterkunft für ca. 450 Flüchtlinge ein. Das WOCHENBLATT durfte sich vor Ort umschauen.

Es ist Sonntagmittag gegen 12 Uhr: In der Sporthalle, dem sogenannten Ruhebereich, ist es tatsächlich sehr ruhig, die Menschen sind erschöpft, liegen auf ihren Feldbetten. Trennwände sind bislang wenige vorhanden. Viele der Flüchtlinge halten sich im Schulgebäude auf, telefonieren, schauen Nachrichten auf einer Leinwand. Der Landkreis hat kostenlose Wifi-Zonen eingerichtet. „Die Benutzung von Smartphones, um den Kontakt zur Familie in der Heimat zu halten, ist für viele Lebensgrundlage“, sagt DLRG-Bezirksleiter Rainer Bohmbach.

In der Schulmensa stehen Bierbänke. Es gibt feste Essenzeiten. Sonntagmittag werden Hackbälle mit Nudeln und ein vegetarisches Gericht ausgegeben. Auf Schweinefleisch werde verzichtet, erzählt DRK-Kreisbereitschaftsleiter Frank Burfeindt. Fleisch nach Halal-Schlachtung, den islamischen Regeln entsprechend, könne sein Team nicht anbieten.

Wer nicht isst, vertreibt sich die Zeit am Kickertisch oder spielt Volleyball. Für die zahlreichen Kinder gibt es ein Spielzimmer mit gespendetem Spielzeug. Außerdem sind zwei Gebetsräume eingerichtet worden, einer für Männer und einer für Frauen und Kinder.

Um in die Unterkunft zu kommen, mussten sich die Flüchtlinge vorher im Kreishaus registrieren lassen. Nur mit einem Bändchen um den Arm gelangen sie aufs Schulgelände. Security kontrolliert an den Eingängen. Außerdem sind rund um die Schule Zäune aufgestellt. Die DLRG hat Lichtmasten gezimmert, die im Dunkeln für Orientierung sorgen sollen.

Es scheint alles blendend organisiert zu sein. Lehrerin und DRK-Ehrenamtliche Ingrid Subklewe kümmert sich um die Wäsche. „Einige Flüchtlinge mussten wochenlang die gleiche Kleidung tragen“, sagt sie. Im Akkord laufen die Waschmaschinen. In einer Wäschekammer wird gespendete Kleidung sortiert. Das Möbelhaus Jähnichen sponserte Regale.

Was den Organisatoren Probleme bereitet, ist die Ungewissheit, woher die Menschen kommen. „Die unterschiedlichen Nationalitäten und Sprachen, von denen wir erst hier erfahren, stellen für uns die größte Herausforderung dar“, erklärt Dezernentin Nicole Streitz. Freiwillige Sprachmittler, von denen rund 50 im Einsatz sind, seien eine unschätzbare Hilfe, so Streitz. Einer ist der Stader Zeeshan Rajput mit seiner zehnjährigen Tochter Reesha, die für pakistanische Landsleute fließend in Urdu übersetzte. „Ich kenne Geschichten von Leuten, die seit sechs Tagen nicht geschlafen haben. Wenn sie in den Zug oder Bus gesetzt werden, wissen sie meistens nicht, wo es hingeht“, erzählt Zeeshan Rajput.

Das DRK bat mich darum, die Flüchtlinge nicht um ein Interview zu fragen und auf Fotos von ihnen und den Schlafräumen zu verzichten. Das WOCHENBLATT akzeptierte den Wunsch. „Sie müssen erst einmal zur Ruhe kommen“, sagt DRK-Pressesprecherin Inge Kramer.

Zum Hintergrund: Die Unterbringung in den Turnhallen erfolgt als Amtshilfe für das Land und dient dazu, Obdachlosigkeit zu vermeiden. Die Notunterkunft in Stade soll ca. fünf Wochen bestehen bleiben. Asylanträge können die Flüchtlinge danach in den Landesaufnahmeeinrichtungen stellen.

Wie der Schulbetrieb unterdessen weiterlaufen wird, der in gut eineinhalb Wochen wieder anfängt, muss sich zeigen. Ganz ohne Einschränkungen wird es vermutlich nicht gehen. Alleine schon weil die Hallen belegt sind, Klassenzimmer sind aber nicht betroffen. Björn Carstens


Warme Wintersachen werden benötigt


Das DRK benötigt weiterhin dringend Kleider- und Sachspenden. Warme Kleidung, Winterjacken, Schuhe und Kinderspielzeug können täglich von 14 bis 16 Uhr in der Annahmestelle (Am Hofacker 14) in Stade abgegeben werden. Möbelspenden sind nicht erwünscht.
• Freiwillige Helfer zum Sortieren können sich unter Tel. 04141-80330 melden.