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"Nutten-Flyer" im Zug und Todesanzeige in Stade

Stalking-Opfer Marion M.
 
Stellen sich schützend vor ihre Mitarbeiterin: Einrichtungsleiterin Margarethe Wüstefeld (li.) und Pflegedienstleiterin Anja Obudzinski (Foto: tp)

Stalking-Serie mit Nacktfotos gegen Marion M.* (49) hält an / Arbeitgeber und weiteres Opfer aus dem Landkreis melden sich zu Wort

tp. Stade. „Die vergangenen Tage waren der pure Horror“, berichtet Stalking-Opfer Marion M.* (49) aus Stade, nachdem in der Öffentlichkeit erneut Flugblätter mit ihren Nacktfotos auftauchten, u.a. im Metronom-Zug. Sie verdächtigt weiter ihren Ex-Lebensgefährten* (55) der Stalking-Serie, die weite Kreise zieht, und zu der sich nun Marion M.s Arbeitgeber und ein weiteres mutmaßliches Opfer zu Wort melden.

Wie berichtet, stellte sich Marion M. mutig in die Öffentlichkeit, nachdem in Stade fingierte Erotik-Inserate als Flyer mit der Überschrift „Nutten-Alarm“ mit ihrem Bild, Namen, der Adresse und Telefonnummer auftauchten. Marion M. erstattete Anzeige gegen ihren Ex, der sie seit der Trennung im Juni zudem mit Bedrohungen und Bloßstellungen via Handy und Facebook belästige.

Am Sonntagmittag machte Zugbegleiterin Regina König (54) einen schockierenden Fund: Im „Metronom“ zwischen Hamburg und Cuxhaven hatte ein Unbekannter einen Stapel „Prostituierten“-Flugblätter mit Marion M.s Nacktfoto auf einen Sitz gelegt. König meldete den Fall der Polizei.

Die schmierigen Pamphlete seien an weiteren Stellen in der Innenstadt gefunden worden, berichtet Marion M. Unter anderem auf öffentlichen Toiletten. Eine der Folgen: Frühmorgens habe sie ein Betrunkener angerufen: „Na, wie wär‘s mit einer schnellen Nummer?“ Marion M. findet das „einfach ekelhaft“.

Auch in der Nachbarschaft ihrer Arbeitsstelle, dem Stader Seniorenheim „Wohnpark an der Schwinge“, prangten am Wochenende die Flugzettel, die Marion M. barbusig zeigen. Bilder, die ihr Ex gegen ihr Einverständnis gemacht habe, beteuert sie. Inzwischen plage sie angesichts der peinlichen Vorfälle Jobangst, sagt Marion M. Doch ihre Vorgesetzten, Einrichtungsleiterin Margarethe Wüstefeld (44) und Pflegedienstleiterin Anja Obudzinski (37), stellen sich schützend vor die Angestellte, die als zuverlässige und fleißige Pflegemitarbeiterin bei den rund 90 Kollegen und 103 Bewohnern hohes Ansehen genieße.

In der Firma blieb es nicht bei Sex-Flugzetteln. Im Juni seien im „Wohnpark an der Schwinge“ sowie beim Gesundheitsamt und bei der Heimaufsicht schriftliche Hinweise eingegangen, nach denen Marion M. angeblich Medikamente einnehme, die ihre Arbeitsfähigkeit einschränkten. Eine Falschmeldung, wie die Rücksprache mit der Betriebsärztin ergab, so Wüstefeld und Obudzinski. Die Führungskräfte berichten zudem von einem anonymen Brief, nach dem Marion M. angeblich „Personal beklaut“ habe. Die Heimleitung erstattete Anzeige gegen Unbekannt.

Damit nicht genug: Der vermeintliche Stalker, der früher als Seniorenbegleiter in dem Haus arbeitete, stellte dem Unternehmen eine fingierte Traueranzeige mit Marion M.s Geburts- und angeblichem Sterbedatum zu. „Ich konnte sie vorübergehend nicht erreichen und wähnte sie daher tatsächlich tot“, erinnert sich Chefin Wüstefeld mit Schrecken.

Marion M. durchlebt ein Gefühlstief aus Scham und Hilflosigkeit. Eine, die die seelischen Qualen nachvollziehen kann, ist Petra B.* (49) aus dem Landkreis Stade. Die geschiedene dreifache Mutter war nach eigenem Bekunden mit dem mutmaßlichen Stalker zusammen und hat ihn inzwischen wegen Verleumdung angezeigt. Der Stalker habe Petra B.s früheren Ehemann als Vergewaltiger und Kinderschänder diskreditiert. Zudem habe er vertrauliche Scheidungspost an ihren damals zehnjährigen Sohn geschickt. Auch habe der Stalker ihr Nacktbilder von Marion M. zugesandt. Petra B. sagt: „Er trägt offenbar cholerische Züge. Hoffentlich wird er weggesperrt.“ Zu Gerichtsterminen in den genannten Angelegenheiten sei er übrigens mehrfach nicht erschienen, so B.

Im Anbetracht der nicht endenden Serie von Bloßstellungen stellen die Beteiligten die bange Frage: Was tut er Marion M. noch an? Unterdessen macht sich Marion M. große Sorgen um Ihre Tochter, die ebenfalls Stalking-Nachrichten auf ihr Handy bekomme. Sie erwartet ein Baby und könne in der Schwangerschaft keine Aufregung vertragen.

Laut dem Sprecher der Staatsanwaltschaft Stade, Kai Thomas Breas, dauern die Ermittlungen an. Angesichts der Beweislage wäre der Verdächtige so gut wie überführt, sollte man ihn auf frischer Tat ertappen. Breas empfiehlt weiteren Zeugen, sofort die Polizei zu informieren.

*Name v.d. Redaktion gekürzt/Name der Red. bekannt