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Obdachlose in Stade haben oft "einen langen Abstiegsweg" hinter sich

Sozialpädagoge Matthias Lauer ist Vollzeitkraft beim Herbergsverein Stade
 
Computer-Arbeitsplatz für Klienten der Wohnungsnotfallhilfe

Wachsender Beratungsbedarf bei den Wohnungsnotfallhilfe des Herbergsvereins

tp. Stade. Kein Dach über dem Kopf, kein Strom, kein Wasserhahn, keine Toilette, kein Briefkasten. Rund 300 Kunden pro Jahr betreut die Wohnungsnotfallhilfe des Herbergsvereins "Wohnen und Leben" in Stade. Die vor mehr als 100 Jahren in Lüneburg gegründete paritätische Organisation leistet Hilfe für Obdachlose und Menschen, denen der Verlust der Wohnung droht. Der Herbergsverein ist seit 1984 in Stade ansässig und Mitglied in dem von SPD-Ratsherr Oliver Kellmer gegründeten runden Tisch für Obdachlosigkeit.

Sucht, Schulden, psychische Erkrankung sind laut Matthias Lauer, Sozialpädagoge beim Stader Herbergsverein, die häufigsten Ursachen von Obdachlosigkeit. Mit zwei Kollegen kümmert sich Lauer an der Bremervörder Straße 9 um Menschen in Not. Die Zahl der Ratsuchenden steigt. Zählte man in der Anlaufstelle im Jahr 2014 noch 125 Erstkontakte, waren es im Folgejahr schon 128 und 2016 bereits 168 Klienten - zunehmend Flüchtlinge und EU-Bürger aus osteuropäischen Staaten.

"Viele haben einen langen Abstiegsweg hinter sich", berichtet Lauer. Im optimalen Fall kommen die Hilfsbedürftigen so rechtzeitig, dass der Wohnungsverlust abzuwenden ist. Denn Erhalt des Wohnraums steht beim Herbergsverein, dessen Arbeit aus Mitteln des Landkreises Stade für ortsansässige und des Landes Niedersachsen für umherziehende Obdachlose finanziert wird, vor der Neubeschaffung. Insbesondere bei Mietschulden gebe es fast immer eine Lösung durch besondere Tilgungsvereinbarungen mit dem Vermieter, sagt Lauer.
Der Herbergsverein kooperiert mit den Behörden und Institutionen vom Ordnungsamt bis zum Jobcenter und großen Vermietern wie der Wohnstätte.

Wenn die vorübergehende Unterbringung in einer Notunterkunft unausweichlich ist, stehen unterschiedliche Wohnungen zur Verfügung: die Obdachlosensiedlung am Fredenbecker Weg hauptsächlich für alleinstehende Männer, über das Stadtgebiet verteilte städtische Wohnungen, Räume der diakonischen Ex-Straffälligen-Hilfe und auch drei eigene Zimmer im Haus der Herbergsvereins für Jugendliche und junge Erwachsene.

Im Rahmen der ambulanten Betreuung geht die Hilfe des Herbergsvereins weiter, idealerweise, bis eine neue Wohnung gefunden ist. Für einen Mann (Anfang 20), der mit seiner Familie zerstritten war, fand der Herbergsverein eine Wohnung. Der junge Mann macht seit August eine Ausbildung. Auch für eine junge Frau (Mitte 20), die mit ihrer Tochter im Frauenhaus lebte, wurde eine Wohnung gefunden: Die Mutter ist laut Matthias Lauer "zurück im Leben".

Mit praktischen Mitteln hilft der Herbergsverein die schwere Übergangszeit zu überbrücken, stellt in seinen Räumen einen Computerarbeitsplatz, eine Sitzecke mit Zeitungen, eine Dusche, gespendete Kleidung, Telefon und einen Briefkasten mit eigener Postadresse zur Verfügung - wichtig für Behördenkorrespondenz. Derzeit nehmen 94 Menschen diesen Adressdienst des Herbergsvereins in Anspruch.
Am runden Tisch für Obdachlosigkeit setzt sich der Herbergsverein für sozialen Wohnungsbau und den Abbau der verdeckten Jugendlichen-Obdachlosigkeit mit vielen sogenannten "Couch-Surfern", die wechselnd bei Bekannten Unterschlupf finden, ein.

Die Erstberatung, montags bis freitags, 9 bis 11 Uhr, ist kostenlos.

• Tel. 04141 - 3383. http://www.herbergsverein.de

• Mit einem Antrag der SPD auf Umzug der Obdachlosen vom Fredenbecker Weg in die städtischen Neubauten an der Bundesstraße 73 beschäftigen sie die Stader Ratspolitiker auf der Sitzung des Ausschusses für Feuerwehr, Sicherheit und Verkehr am Mittwoch, 18. Januar, um 18 Uhr im historischen Rathaus.