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Öko-Obstbau auf dem Vormarsch: Immer mehr Betriebe stellen ihre Produktion um

Was unterscheidet einen Apfel aus dem Integrierten Anbau (Foto) von einem Bio-Apfel? Unter anderem wird im Bio-Anbau das Unkraut unter den Bäumen nicht chemisch, sondern mechanisch behandelt
 
Mit dem "Krümler" bekämpft Obstbauer Cord Lefers künftig als Bio-Obstbauer das Unkraut unter den Apfelbäumen. Glyphosat ist für ihn nun tabu (Foto: lt)
lt. Jork. Sind die denn auch Bio? Diese Frage hören viele Obstbauern z.B. auf dem Wochenmarkt, wenn Kunden Äpfel kaufen wollen. Doch was unterscheidet Bio-Äpfel überhaupt von Äpfeln, die im inzwischen in unserer Region üblichen so genannten Integrierten Anbau produziert werden?
Das WOCHENBLATT ist der Frage auf den Grund gegangen und hat sich mit Peter Heyne, Berater des Öko-Obstbau Norddeutschland (ÖON) am Obstbauzentrum Esteburg im Alten Land, und mit Obstbauer Cord Lefers aus Jork unterhalten.
Lefers hat seinen Betrieb gerade auf die ökologische Produktion umgestellt und steht damit beispielhaft für die rasante Entwicklung, die der Ökoobstbau in den vergangenen 15 Jahren in Norddeutschland vollzogen hat. Die ökologisch bewirtschaftete Fläche hat sich von 1999 bis 2016 kontinuierlich vergrößert, so Peter Heyne.
85 Obstbauern in Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern erzeugen heute auf knapp 2.000 Hektar Äpfel, Birnen, Pflaumen Kirschen und Beerenobst. An der Niederelbe - wozu auch das Alte Land mit insgesamt 10.500 Hektar Anbaufläche gehört - produzieren ca. 50 Betriebe auf ca. 1.400 Hektar überwiegend Bio-Tafeläpfel. Und halten sich dabei an folgende Kern-Leitlinien:
• Verzicht auf chemisch-synthetische Stickstoffdünger
• Verzicht auf Herbyzide (z.B. das als "Roundup" bekannte Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat)
• Kein Einsatz genetisch veränderter Mechanismen
Viele Verbraucher unterliegen aber noch dem Irrglauben, dass Bio-Äpfel - so wie es in den 1970er Jahren noch war - gar nicht gespritzt werden, so Heyne. Jeder der im eigenen Garten schon mal etwas angebaut habe, wisse aber, dass qualitativ hochwertige Früchte nicht produziert werden können, wenn man sie nicht behandelt. Auch Bio-Bauern spritzen ihr Obst gegen Schädlinge, benutzen dafür allerdings nur Mittel natürlichen Ursprungs, wie z.B. Kupfer, Schwefel oder Wirkstoffe aus den Wurzeln des tropischen und subtropischen Niembaums. Diese wirken alle nur auf der Oberfläche der Frucht und seien damit abwaschbar, so Heyne.
Der Experte berät und begleitet Betriebe wie den von Cord Lefers, die auf Öko-Anbau umstellen wollen. Doch obwohl es innerhalb der ersten fünf Jahre Prämien von der EU und vom Bund gebe und die Öko-Bauern mehr Geld für ihre Ware bekommen als die integrierten Betriebe, sei eine Umstellung nur aus rein wirtschaftlichen Überleggründen schwierig.
"Die Einstellung und die Überzeugung müsse stimmen", sagt Heyne, denn Bio-Bauern müssten nach der Umstellung mit rund 30 Prozent weniger Erntemenge rechnen. Außerdem sei der Produktionsaufwand erheblich höher und es werden mehr Mitarbeiter benötigt.
Das bestätigt Cord Lefers. Viel mehr Arbeit mache u.a. die Bekämpfung des Unkrauts unter den Bäumen. Statt Glyphosat zu spritzen greifen Bio-Bauern auf mechanische Mittel zurück und fahren mehrmals im Jahr mit einer speziellen Maschine, dem "Krümler", durch die Plantagen. Der Rest ist Handarbeit mit der Hacke. Auch die Apfelsägewespe (ein Obstschädling) wird im Frühjahr von den Bio-Bauern per Hand eingesammelt.
Eines sei aber im Bio- und im integrierten Anbau gleich, betont Lefers. In beiden Produktionsarten werde Rücksicht auf Nützlinge genommen und vorzugsweise Methoden verwendet, die möglichst geringe Auswirkungen auf die Umwelt haben. Gespritzt werde nur dann, wenn es unbedingt erforderlich sei.

Wenn der Nachbar nicht Öko ist
Im Alten Land liegen die Obstplantagen dicht an dicht. Was, wenn ein Biobetrieb einen integrierten Betrieb zum Nachbarn hat? Wie wird gewährleistet, dass die chemisch-synthetischen Spritzmittel nicht auf den Bioapfel gelangen? Tatsächlich ist dies ein heikles Thema, dass von den Fachleuten heiß diskutiert wird. Es gibt keinen gesetzlich geregelten Abstand, der zwischen zwei Betrieben bestehen muss, sagt ÖON-Berater Peter Heyne. Jeder sei aber gesetzlich dazu verpflichtet, nur auf die eigenen "Zielorganismen" zu spritzen und dafür zu sorgen, dass keine "Abdrift" produziert werde. Um zu gewährleisten, dass der Bio-Apfel wirklich chemiefrei ist, pflücken die Bio-Bauern ihre Randreihen extra und nehmen immer wieder Fruchtproben, so Heyne.