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Ottenbecker Forum: Stadtteiltreff gesucht!

Britta Rust aus der Stadtverwaltung (2.v.li.) kommuniziert ständig mit Mitgliedern des Ottenbecker Forums. Hier (v.li.): Karin Aval, Katja Kobs und Beate Winkler-Pedernera
bc. Stade. Ottenbeck ist ein junger Stadtteil der Hansestadt Stade. So jung, dass noch nicht alle Entwicklungsschritte zu einer kompletten Infrastruktur im Viertel gemacht wurden. Was den Bürgern in dem früheren Kasernengebiet fehlt, ist ein echter Stadtteiltreff - ein nicht kommerzieller Ort, wo sich Interessensgruppen spontan oder regelmäßig einfinden können.

Die Idee, das alte, zentral gelegene Trafo-Häuschen als solchen umzubauen, müssen die Mitglieder des Stadtteilvereins „Ottenbecker Forum“ jetzt aber verwerfen. Die Stadt, die das Gebäude angemietet hat, hat ihnen eine Absage erteilt. Sie will dort weitere acht Flüchtlinge unterbringen.

Britta Rust, Koordinatorin bei der Hansestadt Stade, dazu: „Die Nutzung des Trafo-Hauses ist aus der Not geboren. Wir finden nicht genug Wohnraum“. Die von der Stadt angebotene Nutzung von Tagungsräumen im Gründungs- und Innovationszentrum ist zwar hilfreich, stellt für die Ottenbecker Flüchtlingshilfe aber keinen Ersatz dar.

Katja Kobs, ehrenamtliche Helferin u.a. bei Flüchtlings-Patenschaften: „Der Treff wäre ein notwendiger Ausgleich für die Anforderungen, die mit der Integration der Flüchtlinge auf den Stadtteil zukommt.“ Viele Ottenbecker engagieren sich vorbildlich in der Flüchtlingshilfe. Sie organisieren Selbsthilfewerkstätten, Sprachtreffs, Spendensammlungen und Spielenachmittage, initiieren Patenschaften, kochen gemeinsam, vermitteln Jobs und Praktika, etc..

Karin Aval, Beirätin im Ottenbecker Forum, berichtet jedoch auch von den Befürchtungen etlicher Ottenbecker Einwohner: „Es besteht die Sorge, dass die derzeit noch gut funktionierende Integrationsarbeit nicht mehr so reibungslos klappen könnte, wenn der Stadtteil sehr viele Flüchtlinge aufnehmen muss.“ Trotz aller Befürchtungen gelte aber natürlich: Flüchtlinge seien in Ottenbeck sehr willkommen.

Nach jetzigem Stand plant die Stadt, Schritt für Schritt rund 200 Asylbewerber in Ottenbeck unterzubringen. Die größten Unterkünfte sind im „Boarding House“ (50 Flüchtlinge) vorgesehen und in zwei neu zu bauenden Häusern am Sophie-Scholl-Weg (jeweils 40 bis 45). Hinzu kommen einige unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die auch nach Ottenbeck ziehen sollen.

Ottenbeck selbst hat aber nur rund 2.000 Einwohner, davon sind ein Drittel minderjährig. Aktuell leben in Ottenbeck nach den jüngsten Zahlen von Bürgermeisterin Silvia Nieber 37 Flüchtlinge. Zum Vergleich: Im Kerngebiet der Stadt sind es 421, in Bützfleth 78, in Wiepenkathen 57, in Hagen 24 und in Haddorf 15.
„37 Flüchtlinge sind überhaupt kein Problem, auch 100 wären keines. Wenn es aber 200 werden, sind das zehn Prozent der Bevölkerung. Warum muss Ottenbeck prozentual so viel mehr schultern als andere Stadtteile?“, fragt Beate Winkler-Pedernera, Vorsitzende im Ottenbecker Forum.

Über diese Themen würden sie und weitere Mitstreiter in der Flüchtlingshilfe Ottenbeck gerne mit der Bürgermeisterin reden.