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Sarayi Sahin ist die einzige Baglama-Lehrerin im Landkreis Stade

Sarayi Sahin setzt sich für das Miteinander der Menschen aller Kulturen ein (Foto: am)
(am). Dreimal ist Sarayi Sahin im Laufe der Jahre zur Kreisjugendmusikschule Stade aufgebrochen und dreimal stand sie vor verschlossenen Türen. Deutsch konnte sie nicht sprechen, also nahm sie ihre Kinder zum Übersetzen mit. Im Nachhinein kann Sahin darüber lachen aber damals war sie entmutigt. "Ich bin immer in den Ferien hingegangen", sagt sie, "ich hatte ja keine Ahnung, dass die Musikschule in dieser Zeit auch geschlossen hat."
Sahin wollte anderen Menschen das Baglama-Spielen beibringen. Sie selbst hat von ihrem Vater gelernt, wie dem Saiteninstrument, das in der Türkei auch Saz genannt wird, Töne zu entlocken sind. Jetzt 13 Jahre später ist sie die einzige Baglama-Lehrerin im Landkreis und die einzige weibliche in Hamburg.
Sarayi Sahin ist 2003 mit ihrer Familie aus der Türkei nach Deutschland gekommen, um hier ein neues Leben zu beginnen. Mit ihrem Mann und ihren drei Kindern lebt die 41-Jährige in Hollern-Twielenfleth. Sie gibt an der Kreisjugendmusikschule und an Grundschulen Baglama-Kurse. In ihrer Wohnung, die bis auf ein paar Details auch einer deutschen Familie gehören könnte, sitzt sie mit ihrem Instrument in der Hand und spricht mit viel Energie und Begeisterung über Integration. Auffallend oft fallen die Worte "Frieden", "Menschlichkeit" und "Musik". Für sie hat das alles miteinander zu tun. "Welcher Religion oder welcher Volksgruppe jemand angehört, ist mir nicht wichtig. Wenn man das zu stark hervorhebt, dann schafft das Grenzen. Meine Religion ist der Respekt anderen Menschen gegenüber", sagt Sahin. Sie will die Menschen mit der gemeinsamen Sprache der Musik zusammenbringen. In ihren Kursen spielen Türken und Deutsche, Afrikaner und Pakistani. Sie versucht auch den Flüchtlingen das Ankommen zu erleichtern. Sie plant einen internationalen Chor und einen Tanzabend für Frauen aller Kulturen. "Denn beim Musikmachen reden wir nicht über Politik, wir teilen schöne Gefühle."
Ihr erstes Konzert vor Publikum gab sie ein Jahr nach ihrer Ankunft in Deutschland. "Ich war sehr aufgeregt", sagt sie. Vorher hatte sie nur vor ihrer Familie gespielt. Die Möglichkeit dazu gab ihr die Organisatorin des internationalen Frauenfrühstücks in Steinkirchen, Susanne Graf-Geller. Dort knüpfte sie Kontakte. Sie spielte immer öfter auf Festen der Gemeinden und beim Landkreis. 2009 rief der Leiter der Kreisjugendmusikschule an. "Das war für mich unglaublich", sagt sie. "Die Kreisjugendmusikschule ist für mich ein heiliger Ort, weil die Menschen mir dort so viel Gutes getan haben." Die Schule schickte sie zur Fortbildung nach Hamburg und gab ihr die Möglichkeit ihren Beruf zu erlernen.
Sie lebt gern in Hollern-Twielenfleth. Sie hat den Führerschein gemacht. Ihre Kinder gehen aufs Gymnasium. "Meine Arbeit macht mich stark", sagt Sahin.