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Schatzsuche in sieben Tonnen Erde

Schatzsuche: An Stehtischen durchspülen und durchsieben Ehrenamtliche der AG Archäologie die Erde aus dem historischen Hafenbecken am Fischmarkt

AG Archäologie siebt Schätze aus dem Hafenschlick / Spielzeug, Münzen, Zinnteller und Uniformknöpfe

tp. Stade. Mit Öljacken, Mützen und warmen Stiefeln bekleidet stehen sie in der zugigen Halle des Ex-Technikmuseums und schürfen Berge von Erde: Freiwillige der rund 30 Kopf starken Arbeitsgemeinschaft (AG) Archäologie in Stade. Das vor ihnen aufgetürmte Gemisch aus Steinen, Schlick und Scherben stammt aus dem wegen Brückenbauarbeiten vorübergehend trockengelegten Hafenbecken am Fischmarkt. Beinahe täglich bleibt im Sieb der Hobby-Altertumsforscher ein spannender Fund stecken.

Stadtarchäologe Dr. Andreas Schäfer, der die Arbeit der Laien beaufsichtigt, sondiert mit zufriedenem Blick die zahlreichen. auf Tischen ausgebreiteten Schätzchen aus dem Schlick, darunter Geldstücke, Spielzeug und Keramik. "Ohne den unverzichtbaren Einsatz der Ehrenamtlichen hätten wir niemals so eine reiche Ausbeute", lobt Dr. Schäfer seine Helfer.

Je tiefer die Erdschicht, die die Freizeit-Altertumsforscher geduldig mit klarem Wasser aus dicken Schläuchen durchspülen, desto älter die Funde: eine Münze aus Bardowick bei Lüneburg wurde um 1.000 nach Christus geprägt. Unterschiedliche Pilgerzeichen, darunter Jacobsmuscheln aus Santiago de Compostella in Italien, stammen aus dem 13. bis 15. Jahrhundert. Knöcherne Spielwürfel ordnet Schäfer dem 16. Jahrhundert zu. Zinnsoldaten datiert er auf das 19. Jahrhundert.

Als "wissenschaftlich spannend" beurteilt Dr. Schäfer einen Zinnteller aus dem 15. Jahrhundert mit der Hausmarke eines Händlers aus Rotterdam. Bei der Recherche nach dem Ursprung des Edel-Geschirrs hat die Stadtarchäologie Stade Kollegen in Holland ins Boot geholt und ihnen Digitalfotos des Tellers geschickt. Mit einer großen Anzahl von Uniform-Knöpfen aus dem 19. Jahrhundert beschäftigen sich Militärforscher.

Archäologie-Chef Dr. Schäfer erwartet weitere spektakuläre Funde. Die Wahrscheinlichkeit ist groß: Erst ein Drittel der Sandberge, die sich unter dem Dach des Ex-Museums türmen, wurde durchgespült. Dr. Schäfer: "Die Schürfer haben noch mindestens bis zum Sommer alle Hände voll zu tun."