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Schlesisches Fest ohne Klöße: WOCHENBLATT-Redakteurin Aleksandra Mleczko berichtet über eine kohlenhydratfreie Familienfeier

Kuchen ohne Mehl und Zucker: WOCHENBLATT-Redakteurin Aleksandra Mleczko (li.) und ihre Schwester Joanna probieren es aus (Foto: am)
(am.) Ein Schock für meine schlesische Familie: ein Geburtstagsfest ohne Mehl und Zucker, also ohne Klöße und Kuchen. Normalerweise ist deftige Küche in großen Mengen auf solchen Festen Programm. Nach "Kluski" mit Soße ist schon mein zweijähriger Sohn verrückt. Und Kaffee ohne Kuchen? - das wird ein sehr, sehr mageres Fest, dachte ich.
Ich, WOCHENBLATT-Redakteurin Aleksandra Mleczko, war aber neugierig und so unterstützte ich meine Schwester, die sich beruflich mit dem menschlichen Stoffwechsel beschäftigt und ein Kohlenhydrat-Verbot für diesen Tag verhängt hatte. Meine Tante ernährt sich aus gesundheitlichen Gründen auf Empfehlung meiner Schwester seit einem halben Jahr "low carb" also fast ohne Kohlenhydrate und hat mehr als 20 Kilo abgenommen. Jetzt hat sie zu Kaffee und Kuchen und warmem Buffet eingeladen. Damit sie an ihrem Geburtstag auf nichts verzichten muss, darf nichts "Verbotenes" auf den Festtisch.
Mein 19-jähriger Cousin sagte höflich ab, als er von der Motto-Party hörte. Auch andere Familienmitglieder hatten dringende Termine. Aber diejenigen, die kamen wurden belohnt - auf dem Tisch standen ein Käsekuchen, eine Mascarpone-Torte, ein Schokokuchen und eine Heidelbeertorte.
Meine Schwester offenbarte das Geheimnis: Statt Mehl für den Teig einfach Mohn oder Nüsse verwenden, für den süßen Geschmack gibt es Ersatzprodukte wie Birkenzucker ohne "böse" Kohlenhydrate. Die restliche Skepsis meiner Feinschmecker-Verwandtschaft verflog, als sich die sündenfreien Naschereien als wohlschmeckend entpuppten. So weit so gut, aber was ist mit dem deftigen Essen?
Zur überaus großen Freude meiner männlichen Familienmitglieder enthält Fleisch keine Kohlenhydrate und wurde daher von meiner strengen Schwester nicht vom Speiseplan gestrichen. Viel Platz im Bauch war nach dem Kuchen - man musste ja alle Sorten probieren - nicht mehr, aber das Abendbuffet ließ sich keiner entgehen: Rinderrouladen und Kaninchen, zudem Lachskäserolle, Rahmwirsing mit Speck, Käseplatte und Salat.
"Wenn man die Menge der Kohlenhydtrate auf rund zehn Prozent reduziert, muss man seinen Kalorienbedarf mit Fett wieder reinholen", erklärte meine Schwester der mampfenden Verwandtschaft. Jetzt wurden diejenigen, die etwas zu viel auf den Rippen haben hellhörig. "Dann darf ich Fleisch und Butter essen, so viel ich möchte?", fragte mein Onkel. "Ja, du darfst relativ viel Fett essen" lautete die Antwort. "aber nicht das Grünzeug vergessen."
Wie ich so nach dem Essen einen Blick auf meine quietschfidele Verwandtschaft warf, die an solchen Festen sonst träge im Sofa hing, - denn Kohlenhydrate machen müde - stellte ich fest, dass sich auch bei mir keine Müdigkeit eingestellt hatte. Also beschloss ich, auch eine Zeit lang auf Kohlenhydrate zu verzichten. Wie genau die Ernährungsumstellung funktioniert und wie mir der Verzicht gelingt, darüber werde ich nächste Woche berichten.