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Schüler fordern Bleiberecht

Amela fühlt sich als Deutsche

Bosnische Familie soll Deutschland verlassen / Große Solidarität für Amela (13) aus Freiburg

tp. Stade. "Bleiberecht für Amela und Familie", stand auf einem Transparent, das Schüler der Oberschule Freiburg (Nordkehdingen) am Donnerstag vor dem Kreishaus in Stade hochhielten. Dort übergaben Klassensprecher aller Jahrgänge eine Liste mit Unterschriften von 267 der insgesamt 283 Schüler an den Ersten Kreisrat Eckart Lantz. Mit der Aktion wehrten sich die Jugendlichen gegen die geplante "Abschiebung" ihrer bosnischen Mitschülerin Amela Huskic (13) nach Belgien.
Amela wurde in Stade geboren, spricht Deutsch und ist an ihrer Schule voll integriert. Formal ist die bevorstehende Ausweisung eine so genannte "Überstellung" und offenbar juristisch korrekt, doch für Amela, ihre Mutter Bahira (31), ihren Vater Demal (43) und ihre Brüder Amel (4) und Ismet (16) bedeutet sie, dass sich ihr bislang unruhiger Lebensweg fortführt. Die Familie lebt erst seit 2011 in Freiburg.
Amelas Eltern flohen als Jugendliche aus ihrem Geburtsland Bosnien nach Deutschland. In der Heimat wird das Paar verfolgt: Demal Huskic gehört der ethnischen Minderheit Roma ("Zigeuner") an. In den vergangenen Jahren reiste die Familie aus formellen Gründen mehrfach nach Deutschland ein und kehrte dann wieder nach Bosnien zurück. Zuletzt vor zwei Jahren kamen die Huskics nach Deutschland, diesmal über die Zwischenstation Belgien. Dort begingen sie einen Formfehler: Die Eltern stellten in dem Land einen Asylantrag, obwohl ihr Ziel Deutschland war. Nach EU-Recht ist das erste Einreiseland für das Asylverfahren zuständig.
Am kommenden Dienstag, um 4 Uhr nachts, sollen die Huskics von Mitarbeitern der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen nach Belgien gebracht werden. Amela hat Angst, wieder im selben Flüchtlingslager zu landen wie vor zwei Jahren. Dort, so berichtet das Mädchen, hätten Angst, Unsicherheit und Gewalt geherrscht.
Erster Kreisrat Lantz zeigte sich zwar "beeindruckt von der Solidarität" der Freiburger Schüler, verwies aber auf geltendes Recht. Dem Landkreis sei es zumindest gelungen, die "Überstellung" von der Nacht auf 6 Uhr morgens zu verschieben. Dies ermöglicht ein entsprechender Beschluss, den der Kreistag im vergangenen Jahr fasste, nachdem die vierköpfige Familie Fazlijaj aus Fredenbeck in den Kosovo abgeschoben worden war.
Amelas Schulkameraden fühlen sich übergroßer Behördenmacht ausgesetzt und fragen: "Warum werden Gesetze gegen den Menschen statt für den Menschen gemacht?"