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Schulwechsel wegen Mobbing

Magdalena Bartkowsi nahm nach den angeblichen Mobbing-Vorfällen ihre Kinder von der Schule
 
Sohn Jakub

"Bedrohungen und Beleidigungen": Mutter fühlt sich von Lehrern im Stich gelassen / Rektorin gesprächsbereit

tp. Stade. Beschimpfungen, Beleidigungen, Gewaltandrohungen unter Schülern: Glaubt man Magdalena Bartkowski (34), ist dies an der Hauptschule Thuner Straße in Stade beinahe an der Tagesordnung. Nach ihren Schilderungen wurden ihr Sohn Jakub (13) und ihre Tochter Karolina (14) von einzelnen Mitschülern massiv gemobbt. Von Lehrern und der Schulleitung fühlt sich die Mutter allein gelassen. Schließlich nahm sie ihre Kinder von der Schule.

Jakub und Karolina stammen, wie ihre Mutter, aus Polen. Dort lebten sie nach der Trennung ihrer Eltern vorübergehend bei den Großeltern. Magdalena Bartkowski holte die Geschwister vor einem Jahr nach Deutschland, wo sie mit ihrem neuen Ehemann und dem gemeinsamen Sohn (5) lebt. In Polen besuchte Karolina das Gymnasium. Jakub, damals noch Grundschüler, hatte den Gymnasial-Test bestanden. Weil beide nur Polnisch sprachen, meldete Magdalena Bartkowski ihre Kinder vorläufig an der Hauptschule Thuner Straße an, wo es das besondere Unterrichtsangebot "Deutsch als Zielsprache" gibt.

Doch der gut gemeinte Schritt, den Kindern auf diese Weise den Start in der neuen Heimat zu erleichtern, erwies sich aus heutiger Sicht der Mutter als Fehler. Grund sei anhaltendes Mobbing durch zwei Jungen, ebenfalls mit ausländischen Wurzeln. Die Mutter spricht von wiederholten Verbal-Attacken mit Schimpfwörtern wie "Kurva" (Hure) und "Chuj" (Schwanz) gegen ihre beiden Kinder. Als sich Jakub in einem Wortgefecht gegen die Beleidigungen gewehrt habe, soll ihm der deutlich ältere und körperlich überlegene Mitschüler mit Prügel gedroht haben.

Im Schulbus, so Magdalena Bartkoswki, habe es mehrere ähnliche Vorfälle gegeben. Und: Einmal hätten Unbekannte die Fahrräder der Geschwister mit einem fremden Schloss zusammen gekettet.

Unter den Mobbing-Übergriffen hätte besonders Jakub gelitten, so Magdalena Bartkowski. Der Junge sei zunehmend ängstlicher geworden, habe oft traurig und antriebslos gewirkt. Die Mutter gibt an, sich in den vergangenen Monaten "mindestens fünf- bis sechsmal" hilfesuchend an die Schulleitung gewandt zu haben. Doch vor Ort sei die Rektorin für sie nie zu sprechen gewesen. Auch von Lehrern habe sie kaum Unterstützung bekommen.

Magdalena Bartkowski und ihr Ehemann haben bei der Polizei Anzeige wegen Beleidigung und Mobbing erstattet. Sie beschlossen, die Kinder von der Stader Hauptschule zu nehmen. Die Geschwister fahren jetzt täglich mit dem Bus zur Kooperativen Gesamtschule ins 20 Kilometer entfernte Drochtersen.

Die Rektorin der Stader Hauptschule Thuner Straße, Christiane Prüfer (44), räumt ein: "Wir haben Schwierigkeiten wie an jeder Hauptschule - so realistisch bin ich." Von den individuellen Problemen der beiden Geschwister habe sie jedoch nichts gewusst. Die Mutter sei kürzlich ohne Termin im Sekretariat aufgekreuzt und nicht bereit gewesen, 20 Minuten zu warten. "Bei 340 Schülern kann ich nicht Gewehr bei Fuß stehen", so Prüfer. Gegen hartes Mobbing, unter dem eher körperlich schwächere und stille Kinder zu leiden hätten, gehe die Schule gezielt vor. "In bösartigen Fällen", so die Schulleiterin, reichten die Sanktionen vom Ausschluss vom Unterricht bis zum Schulverweis. Die Rektorin bietet Magdalena Bartkowski das Gespräch an.

• www.mobbingberatung.info