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Skandal-Wurst unerwünscht!

Der umstrittene Marktbeschicker darf seine Punschbude vorerst weiter betreiben

Kein Galloway-Fleisch vom Kadaver-Hof: Markt-Manager im Christkinddorf Himmelpforten warnt Standbeschicker

tp. Himmelpforten. Besinnlichkeit in der Vorweihnachtszeit und Tierquälerei passen nicht zusammen: Ein umstrittener Standbetreiber auf dem Christkindmarkt in Himmelpforten hat jetzt seinen Stellplatz auf der Budenmeile geräumt. Er soll am Wochenende auf dem Markt Wurst von Galloway-Rindern zum Verkauf angeboten haben, die von seinem Hof in Groß Sterneberg stammen: Der Betrieb war im Frühjahr überregional in die Schlagzeilen geraten, nachdem die Behörden vom Hofgelände 23 Rinderkadaver beschlagnahmten (das WOCHENBLATT berichtete).

Im Stall standen zudem etwa 100 Galloway-Bullen inden eigenen Fäkalien. Das seinerzeit illegal als "Bioland"-Betrieb deklarierte Unternehmen steht weiter unter Kontrolle des Kreis-Veterinäramtes Stade, wenngleich dem Vernehmen nach keine Rinder mehr auf dem Gelände leben.

Dass nun der viele Monate zurückliegende Tierschutzskandal den festlichen Lichterglanz im weltbekannten Christkinddorf überschattet, wollte Markt-Manager und Bürgermeister Bernd Reimers nicht zulassen. Er konfrontierte den Bauern, der nach Reimers' Angaben seit fünf Jahren regelmäßig mit einem Stand auf dem Markt dabei war, mit den Hinweisen eines kritischen Beobachters*: Demnach soll der Beschuldigte an seinem Getränkeausschank, an dem laut vertraglicher Vereinbarung mit den ehrenamtlichen Veranstaltern nur der Verkauf von Apfelpunsch erlaubt ist, abgepackte Galloway-Bratwurst angeboten haben. In einem Gespräch habe er dies zwischenzeitlich eingeräumt, berichtet Markt-Chef Reimers. Bei der Wurst habe es sich jedoch um Restbestände aus der Zeit vor dem Tierschutz-Skandal gehandelt.

Doch generell gehören Fleischerzeugnisse von dem Krisenbetrieb nicht auf den Christkindmarkt, findet Marktmeister Reimers. Nach eigenen Worten habe er angesichts der drohenden Rufschädigung für alle Marktbeschicker "anfangs darüber nachgedacht", den Bauern des Platzes zu verweisen, ihm dann aber nur eine Verwarnung erteilt: Sollten noch einmal entsprechende Wurstwaren auftauchen oder berechtigte Beschwerden gegen ihn eingehen, müsse er seine Sachen packen. Wohl unter zunehmendem Druck der Öffentlichkeit, entschloss sich der Bauer am Mittwochmittag, seinen Stand zu schließen.

Die Ermittlungen der landwirtschaftlichen Strafabteilung der Staatsanwaltschaft in Oldendburg dauern an. In rund einem Monat will die Behörde sich zu einer möglichen Anklage äußern.

Vom Geschäftsführer der "Bioland"-Erzeugergemeinschaft, Harald Gabriel, heißt es: "Wir können nur hoffen, dass nicht unser Etikett auf der Wurstverpackung klebte." Das "Bioland"-Zertifikat des Bauern ist erloschen.
*Name der Redaktion bekannt