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Soziale Betreuung von Flüchtlingen: 4,8 Mio. Euro aus der Kreiskasse

In der Politik hat nicht zuletzt angesichts des demografischen Wandels ein Umdenken eingesetzt: Flüchtlinge sollen früher als noch vor einigen Jahren in die Gesellschaft integriert werden (Foto: jd)
bc. Stade. Landrat Michael Roesberg erwartet im kommenden Jahr eine wachsende Zahl an Menschen, die im Landkreis Stade Asyl suchen. Derzeit beherbergt der Kreis 850 Flüchtlinge. Roesberg rechnet Ende 2015 mit insgesamt weit mehr als 1.000, für die die Städte und Gemeinden nicht nur Unterkünfte finden müssen, sondern für die der Landkreis auch eine breite Palette an Hilfsangeboten bereithält: von Sprach- und Gesundheitsförderung bis zu beruflicher und sozialer Integration sowie mehrsprachigen Broschüren. "Mit der Unterbringung alleine ist es nicht getan", sagte Roesberg anlässlich einer Pressekonferenz im Stader Kreishaus.

7,5 Millionen Euro will der Kreis im kommenden Jahr für Flüchtlinge ausgeben, davon sind mit 4,8 Mio. Euro mehr als die Hälfte aus eigener Tasche finanziert. Von Bund und Ländern gibt es pro Asylbewerber nur eine jährliche Pauschale von 5.932 Euro, ab Januar wird der Zuschuss aufgestockt auf 6.195 Euro. Roesberg: "Die Mittel reichen hinten und vorne nicht. Bund und Länder müssen weitere Gelder zur Verfügung stellen, andernfalls kann dieses breite Hilfsangebot nicht aufrecht erhalten werden."

Beim Landkreis kümmert sich seit Oktober 2013 die Abteilung "Migration und Teilhabe" (MuT), angesiedelt beim Ordnungsamt, um die Integration von Ausländern. "Unser Ziel ist es, gleichwertige Lebensbedingungen herzustellen", sagt Ordnungsamtsleiter Detlef Wiggers. Stand Oktober 2014 leben 11.374 Menschen ohne deutschen Pass im Landkreis Stade. Dabei kümmert sich MuT um Neuzuwanderer besonders intensiv.

Neben diversen Arbeitskreisen, in der neben den kreisangehörigen Kommunen auch Hilfsorganisationen sitzen, die angesichts sinkender Mitgliederzahlen über jede ehrenamtliche Mitarbeit dankbar sind, verfügt der Kreis über ein engmaschiges Netzwerk von Integrationspartnern. So hilft beispielsweise die Arbeiterwohlfahrt (Awo) seit Jahren bei der Bewältigung von Alltagsproblemen. Um dem wachsenden Flüchtlingsstrom Rechnung zu tragen, beabsichtigt der Kreis für 2015 eine Verdopplung des Awo-Betreuungspersonals. Kalkulierte jährliche Kosten: ca. 270.000 Euro.

Darüber hinaus wird das Berufsbildungswerk Cadenberge im Auftrag des Landkreises sogenannte niedrigschwellige, unentgeltliche Jobs für Flüchtlinge akquirieren und vermitteln. Interessant ist in dem Zusammenhang eine Änderung des Asylverfahrensgesetz. Die Sperrfrist für Asylbewerber, eine Beschäftigung auszuüben, wurde von neun auf drei Monate verkürzt.

Außerdem will der Kreis die Deutschkurse für Flüchtlingskinder in den Schulen bestehen lassen. Wie berichtet, waren die Bundesmittel aus dem Bildungs- und Teilhabe-Paket dafür weggefallen. Der Kreis stellt nun aus eigener Tasche 300.000 Euro für 2015 bereit. Derzeit erhalten 260 Kinder an 48 Schulen im Landkreis eine Sprachförderung.

Ohne die Hilfe der zahlreichen Ehrenamtlichen in den Gemeinden wäre der Kreis trotzdem aufgeschmissen bei der Mammutaufgabe "Flüchtlingsintegration". Roesberg: "Die Ehrenamtlichen erledigen ihre Aufgaben mit Bravour."

• Während in den Berichterstattungen allgemein von Flüchtlingen gesprochen wird, differenzieren die Behörden. Laut Kreis-Dezernentin Nicole Streitz leben derzeit im Landkreis 850 Flüchtlinge, darunter sind etwa 400 Menschen, die sich im laufenden Asylverfahren befinden. "Etwa ein Drittel der Anträge gehen positiv aus", berichtet Streitz. Die übrigen 450 sind sogenannte Geduldete, deren Asylantrag eigentlich schon abgelehnt wurde, die aber aus verschiedenen Gründen (Klage, etc.) hier bleiben.

• Weitere Informationen zu Hilfsangeboten gibt es unter www.landkreis-stade.de