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Stade: Tauben verdrecken Altstadt

Hausbesitzerin Annemarie Nötzel und Mieter Rainer Ebeling sind hilflos im Kampf gegen die Taubenplage (Foto: bc)
 
Überall Taubenkot im Innenhof
bc. Stade. Annemarie Nötzel besitzt seit 1978 ein schickes, denkmalgeschütztes Haus in der Holzstraße mitten in der Stader Fußgängerzone. Im Erdgeschoss befindet sich ein Bekleidungsgeschäft, die Wohnungen im ersten Stock und im Dachgeschoss sind vermietet. So weit, so gut. Ihr großes Problem ist ein anderes. Tauben - oft als „Ratten der Lüfte“ verschrien - ka... ihr Haus regelrecht zu. „Das wird immer mehr“, klagt die Frau.
Die Situation: 20 bis 30 der blaugrauen Vögel hocken jeden Tag auf dem Haus von Annemarie Nötzel, liebend gerne auf der Regenrinne. Regelmäßig muss die Hausbesitzerin deshalb die Rinne für teures Geld sauber machen lassen, sonst würden die ekligen Hinterlassenschaften der Vögel auf die Bummelmeile schwappen. Etwa 500 Euro muss sie für die Reinigung im Jahr bezahlen. Annemarie Nötzel schimpft: „Die Stadt tut viel zu wenig gegen die Taubenplage. Wir Hausbesitzer werden allein gelassen.“
In den Augen der Immobilienbesitzerin hat sich die Tauben-Population in den vergangenen Jahren in Stade stetig erhöht.
Der Dreck an der Hausfassade, auf dem Fenstersims, im Innenhof und vor der Haustür sind deutlich zu erkennen. Ein doppeltes Ärgernis für die Frau. Zum einen greift der Kot die Substanz des Gebäudes an, zum anderen stellen die in den Ausscheidungen enthaltenen Krankheitserreger eine Gesundheitsgefährdung dar. Auch eine Ratte hat Annemarie Nötzel schon im Hinterhof gesichtet: „Ich denke, dass die Ratten vom Taubenkot angezogen werden.“
Das WOCHENBLATT fragt bei der Stadt nach: Will die Stadt das Tauben-Problem angehen? Nein, sagt eine Sprecherin. Die Verwaltung werde nur aus tierschutzrechtlichen Gründen tätig, z.B. wenn eine Taube verletzt sei. Die meisten der Stadttauben seien verwilderte Brieftauben, die nicht bejagt werden dürfen - was ohnehin in der Innenstadt schwierig werden dürfte. „Sofern Gebäude-Eigentümer sich belästigt fühlen, sind diese aufgrund ihres Eigentums aufgefordert, selbst etwas zur Vergrämung zu unternehmen“, heißt es von Seiten der Stadt.
Praxisbeispiele aus anderen Kommunen hätten gezeigt, dass diverse Maßnahmen gegen die Stadttauben nicht zum gewünschten Erfolg geführt haben - weder der Einsatz von Falknern noch der Bau von Taubenheimen außerhalb des Zentrums. Auch sogenannte Ovulationshemmer („Antibabypillen“) hätten nichts bewirkt.
Die Stadt weist darauf hin, dass das Füttern von Tauben gemäß Verordnung verboten ist. „Die Vermehrung liegt insbesondere an dem Futter, das die Menschen zur Verfügung stellen. Entweder absichtlich oder durch unachtsam entsorgte Lebensmittel“, so die Sprecherin der Stadt. Beschwerden über Tauben erreichten die Stadt aber relativ selten.
Annemarie Nötzel hat schon einen Brief an das Ordnungsamt verfasst. Sie fühlt sich von den Behörden im Stich gelassen.

Was meinen Sie, liebe Leser? Hat Stade ein Tauben-Problem? Schreiben Sie uns an bc@kreiszeitung.net oder postalisch an Neue Stader, Hinterm Hagedorn 4, 21682 Stade


Zwölf Kilogramm Tauben-Kot pro Jahr

Vor 100 Jahren waren Stadttauben noch selten. Ihre starke Vermehrung begann ab den 1960er Jahren parallel mit dem Rückgang ihrer natürlichen Feinde (Wanderfalken, Uhu, Wiesel, Steinmarder). Die Größe einer Tauben-Population hängt stark vom Nahrungsangebot ab. Tauben vermehren sich so extrem, weil sie bis zu sieben Mal im Jahr brüten. Jedes Elternpaar bringt durchschnittlich fünf Junge durch.
Eine Taube produziert zehn bis zwölf Kilogramm Kot im Jahr. Die darin enthaltene Harnsäure zerfrisst Steine und korrodiert Metalle. Durch getrockneten Kot können Krankheitserreger auf den Menschen übertragen werden. Gefährdet sind vor allem Allergiker, ältere und immungeschwächte Menschen und Kinder. Stadttauben finden auch ohne Zufütterung, selbst im Winter ausreichend Nahrung.
Quelle: Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz Hamburg