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Stader Landgericht auf Expansionskurs

Im Ex-Untersuchungsgefängnis entstehen zwei neue Gerichtssäle: Landgerichts-Pressesprecherin Petra Baars und Präsident Carl-Fritz-Fitting

Zwei neue Strafkammersäle im Ex-Knast und bis zu drei neue Richter / Knappheit an Fachkräften

tp. Stade. Alle Hände voll zu tun haben die derzeit 37 Richter am Landgericht Stade, insbesondere mit den aktuell bearbeiteten 58 Wirtschaftsstrafsachen. Nun bekommen die Richter Verstärkung. Wie Landgerichtspräsident Carl-Fritz Fitting im Jahrespressegespräch mitteilte, sollen 2017 zum Aufbau einer dritten Wirtschaftsstrafkammer noch einmal bis zu drei Richter eingestellt werden - verbunden mit der Hoffnung, dass Verfahren schneller zur Verhandlung kommen.

Auch räumlich ist das Landgericht auf Expansionskurs. Zwei neue Säle im denkmalgeschützten Bereich des ehemaligen Untersuchungsgefängnisses sind im Bau. Investition: knapp eine Million Euro. Das Projekt soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.

Im Jahr 2016 sind am Stader Landgericht 92 Strafsachen eingegangen - das waren zwar deutlich weniger als die 123 Fälle im Vorjahr, doch Fitting spricht von einer langfristig steigenden Tendenz. Besonders arbeitsintensiv seien laut Gerichtspräsident Fitting komplizierte Straffälle von Steuerhinterziehung mit unübersichtlichen Verflechtungen, Firmenkonkurse und gewerbsmäßiger Betrug. Strafsachen machen am Stader Landgericht rund 60 Prozent des Arbeitsaufkommens aus. Die übrigen 40 Prozent verfallen auf Zivilsachen, insgesamt 1.813 Einzelfälle waren es im Jahr 2016.

Bereits 2016 wurde das Personal um zwei auf 37 Richter aufgestockt. Nach Fittings Erfahrung wird die Personalakquise bei Juristen schwerer. Grund sei die Konkurrenz auf dem Jobmarkt durch Hamburger Gerichte, die eine höhere Besoldung bieten als die Justizbehörden in Niedersachsen, und durch gut bezahlende renommierte Kanzleien. Bei Personal im nicht-richterlichen Dienst verzeichnet Fitting eine hohe Abwanderung. Nach der Ausbildung würden viele Justizbedienstete Stade wieder in Richtung Heimat verlassen.

Während 2016 laut Fitting „keine spektakulären Fälle“ mit großem Pressetrubel verhandelt worden seien, steht für 2017 wieder ein Prozess mit voraussichtlich hoher Medienaufmerksamkeit ins Haus: Vor dem Richter stehen Angeklagte, die sich für den Drogenskandal verantworten müssen, nachdem in dem Nordheide-Dorf Handeloh ein Treffen mit 30 Heilpraktikern und Homöopathen aus dem Ruder gelaufen war und rund 150 Rettungskräfte den Menschen im Drogenrausch helfen mussten. Der Termin für den Prozessauftakt steht noch nicht fest.