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Stades berühmte Nachtwächterin ist tot

Mit Laterne vor dem Stader Rathaus-Portal: Nachtwächterin Dr. Lore Lemke (Foto: Schaller privat)
 
Spielt auf dem Original-Horn von Dr. Lore Lemke (†): Nachtwächter-Nachfolgerin Helga Schaller

Dr. Lore Lemke war das Gesicht der Altstadt / Kulturszene trauert um Dr. Gerd Mettjes

tp. Stade. Der Schlapphut war meistens weit über das Gesicht mit den herben Zügen und das schlichte graue Haar gezogen, der lange Wetterumhang umhüllte die hochgewachsene Statur: In der Rolle der Nachtwächterin war Dr. Lore Lemke (†) das Gesicht der Stader Altstadt. Am Donnerstag, 9. Februar, verstarb sie im Alter von 85 Jahren nach schwerer Krankheit in einem Seniorenheim auf der Stader Geest. Nur wenige Tage später verlor die Kreisstadt mit Dr. Gerd Mettjes (70), langjähriger Leiter des Museums Schwedenspeicher und des Kunsthauses, eine weitere bedeutende Persönlichkeit des kulturellen Lebens.

"Lore Lemke hatte eine soziale Ader, dachte immer zuerst an andere", sagt ihre langjährige Wegbegleiterin und Nachtwächter-Nachfolgerin Helga Schaller (77). Lore Lemkes Engagement für das Allgemeinwohl begann bereits in den 1960er Jahren, als die promovierte Ökonomin nach einer Versetzung aus Dortmund ihr Amt als Chefin der Stader Post antrat. "Sie war beliebt für ihren menschlichen Führungsstil, setzte Mitarbeiter nach ihren individuellen Fähigkeiten ein, überforderte niemanden", berichtet Helga Schaller. Privat habe Lore Lemke, die alleinstehend war, "äußerst bescheiden gelebt".

In ihrer Mietwohnung am Bullenhof hortete sie - neben Stapeln von Geschichtsbüchern - gebrauchte Kleidung und Trödel. Die Artikel verkaufte sie auf Flohmärkten, spendete den Erlös der Stader Frauengruppe des Bundes der Vertriebenen, der sie angehörte. Lore Lemke, die in Berlin geboren wurde, erlebte selbst Entbehrungen des Krieges: Sie litt Hunger, ihr geliebter Vater war jahrelang in russischer Gefangenschaft.

Lore Lemke erteilte Ausländerkindern kostenlosen Nachhilfeunterricht. Weiter unterstützte sie den früheren Stader Kickbox-Weltmeister Bruce Özbek weit nach dem krankheitsbedingten Karriere-Ende. Weiter gab sie Drehorgelkonzerte, deren Einnahmen zum Großteil in soziale Projekte flossen.

Gleich nach Eintritt ihrer Pension suchte Lore Lemke weiteren Möglichkeiten des öffentlichen Engagements. Auf Anregung eine Freundin, die in Lüneburg touristische Nachtwächterrundgänge anbot, arbeitete sie für ihre Wahlheimat Stade eine spannende Gäste-Tour im Laternenschein aus. Erst allein, später gemeinsam mit Helga Schaller, führte sie Touristen aus ganz Europa durch die Altstadtgassen, vermittelte Geschichtsthemen locker mit "Berliner Schnauze", ließ zum Abschied das markante Hornsignal ertönen.

Auf dem Höhepunkt ihrer Nachtwächter-Laufbahn brach über Lore Lemke unvermittelt das Unglück herein, als sie von einer Gruppe Jugendlicher angegriffen wurde. Bei dem brutalen Raubüberfall, der im Jahr bundesweit Schlagzeilen machte, erlitt die Seniorin schwere Verletzungen, von denen sie sich nie wieder vollständig erholte. Bei Gericht zeigte sie milde mit ihren Peinigern, die aus schwierigen familiären Verhältnissen stammten: "Die haben Hilfe nötiger als ich."

Auch posthum stellt sich Lore Lemke in den Dienst der Allgemeinheit: Ihren Leichnam spendete sie der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf "zum Wohle der Wissenschaft".

Er machte den Schwedenspeicher bekannt

(tp). Dr. Gerd Mettjes († 70) ist tot. Der Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler aus Stade-Campe leitete 30 Jahre die Museen des Museumsvereins Stade. In seiner aktiven Zeit wurden mehr als 200 Ausstellungen gezeigt, hinzu kommen zahlreiche Einzelveranstaltungen - vom Liederabend bis zur Lesung.

Unter seiner Regie fanden viele wichtige historische Ausstellungen statt, u.a. über die Schwedenzeit in Stade. Hinzukommen bedeutende Kunstausstellungen mit Werken von Ernst Barlach und Emil Nolde sowie naturkundliche Ausstellungen wie "Botanische Juwelen". Der jetzige Museums-Chef Dr. Sebastian Möllers sagt, Gerd Mettjes habe maßgeblich zur überregionalen Bekanntheit der Stader Museen , besonders des Schwedenspeichers, beigetragen. Zahlreiche Publikationen zur Künstlern der Region sowie Begleitpublikationen zu verschiedenen
Ausstellungen seien ein weiterer Verdienst des Angesehenen Kultur-Machers.