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Staubsauger ist besser als Sex

Den Wagen voll geladen: Heirich Becker transportiert das Staubsaugersortiment im Kofferraum seines Pkw
 
Macht mit Staubsaugerzubehör ein erkleckliches Geschäft: Heinrich Becker

"Dafür muss man geboren sein": Heinrich Becker (66) aus Nordkehdingen machte als Handelsvertreter Karriere

tp. Freiburg. Viele schmeißen am ersten Tag hin, Heinrich Becker (66) aus Freiburg in Nordkehdingen ist seit drei Jahrzehnten Staubsaugervertreter. "Für diesen Job muss man geboren sein", sagt der Vollblut-Handelsreisende, dem ein "Wir kaufen nichts" zeitlebens ein Ansporn war. Ein verliebtes Pärchen überzeugte er sogar davon, dass ein neuer Staubsauger besser ist als Sex.

Heinrich Becker ist gelernter Konditor und Koch, fuhr sechs Jahre zur See, führte mit seiner Ehefrau ein Hotel. "Als der Pachtvertrag auslief, musste ich mir was einfallen lassen", erinnert sich der Vater dreier erwachsener Kinder und vierfache Opa. Zwei Staubsaugervertreter des deutschen Traditionsunternehmens Vorwerk, die in seinem Hotel übernachteten, warben ihn an. Plötzlich war Becker "drin" in der Welt des Vorwerk-Erfolgsmodells "Kobold" mit all seinen Typen-Varianten und unzähligen Extras vom Beutel bis zur Tülle, reinigte vor staunenden Hausfrauen fusselige Läufer und fleckige Teppiche.

Sein freundliches und verbindliches Wesen, höfliches Auftreten, Fleiß und ein sprichwörtliches dickes Fell gerieten dem selbständigen Handelsvertreter beim Klinkenputzen zum Vorteil. Innerhalb weniger Monate war Becker Teamleiter, hatte im Raum Bremerhaven/Cuxhaven sechs Mann unter sich.

Ein Vorwerk-Sauger kostete zu Beckers Anfangszeiten in den 1980er Jahren bis zu 600 D-Mark - ein Drittel eines Monatslohnes. "Ich habe immer mit Qualität geworben", sagt Becker, der große Stücke auf die Vorwerk-Erfinder - "Ingenieure aus Leidenschaft" hält - und auf die Langlebigkeit der Geräte von bis zu drei Jahrzehnten.

Trotz des guten Rufs der Marke gewährt nach Beckers Erfahrungen im anstrengenden Tür-zu-Tür-Geschäft im Durchschnitt nur jeder hundertste Haushalt einem Vertreter Einlass - und dann ist der Staubsauger auch meistens verkauft. "Einmal ließ mich zögernd ein Mann in Unterhose herein. In der Wohnstube saß seine ebenfalls nur mit einem Slip bekleidete Freundin. Die beiden hatten offenbar was Besseres vor", schmunzelt Becker. "Nach knapp einer Stunde waren die beiden stolze Besitzer eines neuen Staubsaugers."

Gehetzt wirkte eine Hausfrau: "Mein Mann kommt gleich nach Hause, dann muss das Essen fertig sein." Heinrich Becker drehte gelassen die Herdplatte herunter, "sonst brennen die Kartoffeln an", und legte mit Schwung los. Der Gatte saß pünktlich am Esstisch und war um einen Staubsauger reicher.

"Eine harte Nuss" war ein stämmiger Seemann. "Der Riese" habe gedroht, "ich hau dir eins aufs Maul!", so Becker. Auch er erwarb am Ende einen "Kobold".

Ein Kollege Beckers verkaufte einmal ein Gerät an eine Prostituierte. Sie war von der konkurrenzlosen Saugleistung hin und weg und wollte die erste Rate gleich "in Naturalien" bezahlen.

Vor drei Jahren stellte Vorwert das Haustürgeschäft ein. Seitdem macht Heinrich Becker seine Kundenbesuche nach Terminvereinbarung. Es gibt weiter viel zu tun: Neu im Programm sind Saug-Roboter. Becker ist voller Tatendrang: "Die werd' ich auch noch los."