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Stille Tage: "Die Erinnerung bewahren"

Historische Trauerkarten, schwarzer Zylinder, Grabschleifen: Museums-Macher Hans-Jürgen Berg mit Sammlerstücken zu den stillen Tagen

Individuelle und skurrile Gedenkstücke im Baumhaus-Museum in Stade

tp. Stade. Die stillen Tage sind da, und wir gedenken unserer Verstorbenen. Anlässlich des Volkstrauertages zur Erinnerungen an die Opfer der Weltkriege am Sonntag, 19. November, und zum Ewigkeitssonntag am kommenden Wochenende blickt der Stader Sammler Hans-Jürgen Berg (78) in sein Privatarchiv im Baumhaus-Museum am alten Hafen. Wie auch all seine übrigen Exponate aus dem Alltag von "Alt-Stade" und Umgebung, mutet auch seine Kollektion zum Thema Tod, Trauer und Krieg etwas willkürlich und kurios an. Doch das macht den Charme des Museums aus, dessen Exponate Berg nach persönlichem Geschmack und eigenem Wertbemessen auf Flohmärkten und im Antiquitätenhandel zusammen trug.

Hans-Jürgen Berg breitet auf einem Tisch Trauerkarten aus, in denen Eltern den Tod im Felde gefallener Söhne im Zweiten Weltkrieg bekanntgeben. Er zeigt auch die bedruckte Schleife eines Grabkranzes als letzten Gruß einer Soldatenkameradschaft an einen Freund, der sein Leben im Ersten Weltkrieg in einem Gefecht in Flandern verlor.

Ergänzend präsentiert Sammler Berg typisch Skurriles wie schwarze Armbinden für Begräbnisgäste, den Katalog eines Bestattungs-Ausstatters, der in der ärmlichen Nachkriegszeit mit Sargbeschlägen und Sargtapeten aus Pappe warb, überdies schriftliche Aufzeichnungen über Begräbnissitten vergangener Generationen, in denen Menschen zu Lebzeiten die Bretter für ihren eigenen Sarg sammelten, das Totenhemd zur Hochzeitsaussteuer gehörte und die Trauerfarbe noch Weiß war. In dicken Alben bewahrt Berg jahrzehntealte Fotos von Ruhestätten mit großen, reich verzierten Grabsteinen auf Stader Friedhöfen auf, die zunehmend kleinen und pflegeleichten Urnenfeldern - allenfalls mit Namens-Täfelchen - weichen.

Hans-Jürgen Berg, der aus einem irrationalem Antrieb heraus ganz einfach gerne Nutzgegenstände sammelt, die andere Menschen früher oder später auf den Müll werfen, macht instinktiv offenbar das Richtige: "Hauptsache aufbewahren. Denn sonst tut es ja niemand."

Ein Besuch im ruhigen und beschaulichen Baumhaus-Museum lohnt, denn gerade in der knappen und immer flüchtiger werdenden Phase des Gedenkens zwischen Halloween-Gruselparty und Weihnachts-Shopping nimmt sich der ehrenamtliche Museums-Macher Hans-Jürgen Berg ganz viel Zeit für seine Besucher.