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"Stink-Wolke" mit Angst-Potenzial in Stade-Bützfleth

Die riesigen Klärtürme des Dow-Werks (Foto: Dow Stade)

Anwohner verunsichert / Gas-Austritt bei Reinigung der Kläranlage im Dow-Werk / "Keine Gefahr für die Bevölkerung"

tp. Bützfleth. Die Bewohner des Industriestandortes Stade-Bützfleth sind Geruchsbelästigungen - etwa durch Verschiffung irischen Hausmülls auf dem Seehafen-Terminal - gewohnt. Zu Angst und Verunsicherung führte jetzt eine nach Fäkalien stinkende unsichtbare Duft-Wolke, die nach Angaben von Beobachtern seit Anfang Mai rund anderthalb Wochen mit dem Ostwind aus dem Industriegebiet über die Wohnsiedlung wehte. Ursache sind Wartungsarbeiten an der Kläranlage des Chemie-Giganten Dow.

Ein besorgter Bürger, der anonym bleiben will, klagt: "Seit Sonntag, 1. Mai, riecht es ganz furchtbar draußen. Ich habe den Verdacht, dass der Geruch aus dem Industriegebiet kommt. Ich mache mir Sorgen um die Gesundheit meiner Familie und der Bützflether." Der Leser vermutet sogenannte Amine als Auslöser. Diese Chemikaliengruppe ist für ihren Geruch, etwa nach Fäkalien, verwesendem Fleisch, Urin oder altem Fisch bekannt.

Bützfleths Bürgermeister Sönke Hartlef bestätigt die Beobachtungen: In seinem Garten habe es über anderthalb Wochen hinweg immer wieder übel nach Aas gerochen. Bei der Gemeindeverwaltung seien in dieser Sache diverse, leider zumeist anonyme Anrufe verängstigter Bürger eingegangen.

Das WOCHENBLATT hakt in der Dow-Chefetage nach. Der Manager für Sicherheit und Umwelt, Rolf Nettersheim, räumt daraufhin den Austritt "geruchsintensiver Gase" im Zuge von Instandsetzungsarbeiten an einem der drei riesigen offenen Klärtürme der werkseigenen biologischen Kläranlage ein. Der Turm sei während des aktuellen fünfwöchigen Revision mit Wartungsstillstand (Turnaround) des Dow-Werks entleert, gereinigt und instand gesetzt wurden. Abschließend wurde der Turm mit Wasser und Klärgut - von der abbaubaren Chemikalie über Sanitär- bis zu Haushaltsabwässern - wieder aufgefüllt worden. Die dem Flüssigkeitsgemisch zugesetzten nützlichen Bakterien hätten sich erst an das Milieu akklimatisieren müssen. Ein verzögerter Abbau der Substanzen habe zu der Geruchsentwicklung geführt. Amine seien bei Messungen in dem Gasgemisch nicht nachgewiesen worden. Für die Bevölkerung habe "zu keiner Zeit Gefahr bestanden".

• Bürgermeister Sönke Hartlef, der Mitglied des Dow-Bürger-Berater-Gremiums ist, ermutigt Anwohner, Geruchsbelästigungen bei der Bützflether Ortsverwaltung zu melden: Tel. 04146 - 1051.