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Super-Senior aus Kehdingen: Topfit mit 88 Jahren

Autobiograph Georg Friedrich mit seinen Büchern
 
Täglich in Bewegung: Sportsmann Georg Friedrich auf seinem Elektro-Fahrrad

Georg Friedrich aus Drochtersen ist geistig und körperlich immer in Bewegung

tp. Drochtersen. Ein Dutzend selbst verfasste Bücher stehen im Regal des Hobby-Autors Georg Friedrich (88) aus Drochtersen, und täglich legt er 40 Kilometer mit dem Fahrrad zurück. Trotz seines fortgeschrittenen Alters ist der Senior aus dem Land Kehdingen geistig und körperlich topfit wie in der Region nur ganz wenige andere aus der Generation Ü80. Stetigkeit ist das Erfolgsrezept des Super-Seniors für einen gesunden und glücklichen Lebensabends - wenngleich ihm das Schicksal Turbulenzen und schmerzhafte Verluste ins Buch des Lebens schrieb.

Georg Friedrich wuchs bei Tilsit in Ostpreußen auf, wo sein Vater, "ein tüchtiger Landwirt", ein eigenes Gut besaß. Kriegswirren und Flucht - zuerst 1945 aus der Heimat, dann 1953 aus der ehemaligen DDR, wo er in Greifswald studiert hatte - führten ihn über Umwege nach Drochtersen. An der Landwirtschaftsschule, wo der damalige Berufsschullehrer Kursunterricht in Technik erteilte, lernte er seine inzwischen verstorbene Ehefrau Maria (80†) kennen.

"Sie fehlt mir jeden Tag", sagt der Witwer über die Liebe seines Lebens, mit der er vier Kinder und acht Enkel hat. Als Georg Friedrich, nach einer zweiten Karriere als Bezirksleiter einer Versicherung, vor drei Jahrzehnten in den Ruhestand ging, begann er mit dem Schreiben. Einen Band seiner Memoiren, "Zu Hause in Kehdingen", widmete er der Familiengeschichte seiner Frau, die als Geborene "von Allwörden" aus altem Kehdinger Bauernadel stammt.

In "Der Lindengang" beschreibt der Autobiograph seine Kindheit und Jugend auf dem Land. Den namengebenden, baumberankten und schattigen Unterstand auf dem Hof seiner Eltern besuchte er auf einer seiner zahlreichen Ostpreußen-Reisen nach Jahrzehnten noch einmal wieder. "Das Anwesen ist heute eine von Pflanzen überwucherte Ruine", ist der Freizeitschriftsteller betrübt. Gerade jetzt, zum Volkstrauertag, werden auch bei Georg Friedrich schmerzliche Erinnerungen an das dunkle deutsche Kapitel wach: Auf der Flucht verlor er seinen damals erst vierjährigen Bruder, "einen zarten Jungen", der die Strapazen der langen und beschwerlichen Reise mit Pferd und Wagen nicht überlebte.

Jüngst hat Georg Friedrich die Schreibarbeit an seinen Memoiren abgeschlossen. Die elf Bände, die Titel wie "Blut ist dicker als Wasser", "Mein Lebensglück" oder "Alte Tage, frohe Zeiten" tragen, hat er nie veröffentlicht. Vielmehr genügt es dem bescheidenen Rentner, mit einem Griff ins Bücherregal Stationen seiner buchstäblich bewegten Vita parat zu haben.

Georg Friedrich war 35 Jahre im Vorstand des Sportvereins TVG Drochtersen, ist auch im hohen Alter noch begeisterter Sportsmann. Mehrere Stunden täglich tritt er in die Pedale. Ein Lieblingsziel ist die Elbinsel Krautsand. Inzwischen ist er auf ein E-Bike mit Hilfsmotor umgestiegen, "doch ich strample durch", beteuert Friedrich. Dank der Sporteinheiten, die er mit Besuchen von Freunden oder Verwandten und mit Einkäufen verbindet, erfreut sich einer starken Vitalität, die ihn selbst erstaunt.

Seine solide Gesundheit führt der frühere Leichtathlet und naturverbundene Jäger nicht zuletzt auf seinen geregelten Lebenswandel mit gleichmäßig getakteten Abläufen, wie dem Kaffee-Trinken mit seiner Tochter täglich um Punkt 16 Uhr und wöchentlichen Sauna-Besuchen, zurück. So hat Georg Friedrich guten Grund zur Hoffnung, dass die Uhr seines Lebens noch lange so beständig weiter tickt - ganz wie die Mechanik einer gut gewarteten, alten Taschenuhr.