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Taubenplage in Stade - ja oder nein?

Gehören Tauben zum Stadtbild dazu oder sind sie einfach nur nervig? Die Meinungen sind geteilt (Foto: archiv)
bc. Stade. Sehr interessante Zuschriften erreichten die WOCHENBLATT-Redaktion auf den Artikel in der vergangenen Mittwoch-Ausgabe zur Taubenplage. Hat die Stadt ein Problem mit den „Ratten der Lüfte“ oder nicht, wollten wir wissen. Die Meinungen sind geteilt.
Maick Wulff findet, dass Stade sehr wohl ein Problem mit einer Überpopulation von Tauben hat. „Leider gibt es immer noch Mitmenschen, die aus falsch verstandener Tierliebe Tauben füttern“, schreibt Wulff. Das sollte mit einem Bußgeld und einer Verwarnung geahndet werden. Dass die Eigentümer mit dem Problem alleine gelassen werden, habe leider in Stade Tradition, so Wulff. Ein weiterer Leser ist besonders von den vielen Tauben am Hansehafen beim Schwedenspeicher und am Baumhausmuseum genervt.
Die Firma “Einheit3“ aus der Nähe von Stuttgart bietet Immobilienbesitzern und Kommunen Hilfe an, die Probleme mit Tauben haben. Das Unternehmen verfolgt nach eigenen Angaben eine deutschlandweit einzigartige, tierfreundliche und nachhaltige Art der Vergrämung: „Wir bieten ein spezielles Produkt an, dessen Erfolgsquote bei nicht weniger als 100 Prozent liegt. Es handelt sich dabei um eine fast klarsichtige, geruchslose und schadstofffreie Paste in Kartuschen.“ Nach dem Auftragen der Paste sollen Tauben die Flächen nicht mehr anfliegen oder sie verlassen sie sofort wieder. Unter anderem zähle die Deutsche Bahn zu den Kunden von „Einheit3“.
Einige Leser bezweifeln allerdings, dass es überhaupt eine Plage gibt. Julian Marx hat sich intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt. Er sagt, dass es keinen Zusammenhang zwischen einem hohen Nahrungsangebot und einem vermehrten Tauben-Aufkommen gebe. Die Tiere seien gezielt so gezüchtet worden, sich ganzjährig zu vermehren. Ein Tierversuch in Basel habe sogar belegt, dass hungernde Stadttauben mehr brüten als ausreichend ernährte. Zudem habe eine Studie der Technischen Universität Darmstadt ergeben, dass normaler Taubenkot keine Schäden an Gebäuden anrichte. Und auch die kolportierten gesundheitlichen Risiken durch Taubenkot seien maßlos übertrieben. Julian Marx: „Der Essener Tierarzt Ludger Kamphausen, einer der versiertesten Taubenexperten des Landes, hält die Warnungen für überzogen. Wesentlich größer ist die Gefahr, sich etwa durch das Berühren eines Blumentopfs mit Pilzen zu infizieren.“
Ins gleiche Horn stößt Vera Fauner. Stadttauben seien nachweislich keine Schädlinge, schon gar keine Gesundheitsschädlinge. Tauben gehörten zum Stadtbild. Sie stünden unter dem Tierschutz-, Bundesnaturschutz- und Artenschutzgesetz. Fütterungsverbote, so wie in Stade und zahlreichen anderen Kommunen im Land, seien tierschutzwidrig und trügen lediglich dazu bei, dass die Tiere verelenden und sich dort ansammeln, wo sie in Ermangelung von artgerechtem Körnerfutter Abfälle finden. Die Mangelernährung führe zu Hunger- bzw. Durchfallkot, der dann schließlich die Verschmutzungen verursache. Artgerecht gefütterte Tiere hinterließen nur kleine harte Kotklumpen, so Vera Fauner.
Sammelten sich an einem Ort in der Stader Altstadt zu viele Tauben an, so wie im WOCHENBLATT berichtet, schaffe eine tierschutzgerechte Vergrämung Abhilfe. Optimal sei ein Taubenschlag, in dem die Tiere gefüttert und gleichzeitig zur tierschutzgerechten Populationskontrolle die Eier durch Attrappen ausgetauscht werden. Vera Fauner: „Die Tiere verbleiben den größten Teil des Tages im Schlag. In Hamburg und in anderen Städten hat man das erkannt und inzwischen zwei betreute Taubenschläge eingerichtet.“