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Theologiestudentin Anna-Lena Schlichtmann aus Stade über Tätowierungen

Anna-Lena Schlichtmann aus Stade studiert Theologie in Hamburg (Foto: am)
am. Stade. Bei Tattoos denkt man an "schwere Jungs", Popstars oder Frauen mit "Arschgeweih", aber dass die Körpersymbole, die mit Tinte unter die Haut gestochen werden, schon vor hunderten Jahren eine große Bedeutung im christlichen Glauben hatten, weiß wohl kaum jemand.
Anna-Lena Schlichtmann (21) aus Stade, die in Hamburg Theologie studiert, erzählt vom Tätowieren und dem Christentum. Und sie trägt an ihrem Knöchel selbst ein Tattoo. "Ich wollte mir schon seit Jahren ein Kreuz stechen lassen", sagt die Studentin. "Das ist ein Ausdruck meines Glaubens." Sie hat sich das Kreuz im Dezember letzten Jahres bewusst neben ihre Narben stechen lassen. Nach einem schweren Motorradunfall vor dreieinhalb Jahren sind die Folgen der Wunden noch sichtbar. "Für mich hat dieser Gegensatz eine schöne Symbolik", sagt Anna-Lena Schlichtmann. "Für mich heißt das: 'Der Glaube trägt'."
Tattoos wie ihre gab es schon vor hunderten von Jahren. Wann Christen die Technik zum ersten Mal verwendeten, lässt sich nicht ganz genau sagen. Die ersten eindeutig dokumentierten Tätowierungen sind die "Pilgertattoos", die in Jerusalem gestochen wurden. Damals wurden als Nachweis, dass man den Pilgerweg auf sich genommen hat, christliche Symbol in die Haut geritzt und mit einem Kohlegemisch eingefärbt. "Die Hygienebedingungen waren damals so schlecht, dass später oft der ganze Arm wegen schwerer Entzündungen amputiert werden musste", sagt Anna-Lena Schlichtmann. Erst nach und nach fingen die Tätowierer an, die Wunden mit hochkonzentriertem Alkohol zu desinfizieren. Später bekam die christliche Tätowierung auch eine Bedeutung bei den Seefahrern, die in der Regel sehr gläubig waren. Neben Kreuzen und biblischen Figuren prangte damals aber auf so manchem Seemannsarm eine nackte Frau. Über die Seefahrer fand das Tattoo schließlich Einzug in die Gesellschaft. Die ersten Tätowierer auf dem Hamburger Kiez gab es schon Anfang des 19. Jahrhunderts.
Heute stehe die Kirche Tätowierungen vielerorts skeptisch gegenüber, so Anna-Lena Schlichtmann. Vor allem ältere Menschen sehen die Körpersymbole kritisch. "Meine Dozenten haben mir geraten, mich nicht an einer Stelle tätowieren zu lassen, die man sieht, da das später zum Ausschlusskriterium für eine mögliche Pastorenstelle werden kann", sagt die Theologiestudentin. Dabei haben zu Zeiten der Pilger auch Könige und hochrangige Geistliche Tattoos getragen. "Ein offizielles Statement der Kirche zu Tätowierungen gibt es nicht", sagt Anna-Lena Schlichtmann. "Ich denke, die Skepsis kommt aus der Gesellschaft."
Für Anna-Lena Schlichtmann bleibt das Kreuz neben ihrem Knöchel ein Weg, sich auszudrücken. "Ich finde, ein Tattoo soll eine Bedeutung haben." Sie überlegt jetzt, sich ein zweites stechen zu lassen. "Vielleicht einen Bibelvers auf hebräisch unter meiner Brust."