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Tierschützerin aus Drochtersen unter Beschuss

Mit Pflegetieren im Katzenhaus: Heidi Aschmuteit
 
Hunde fressen ihr buchstäblich aus der Hand: Heidi Aschmuteit

Schwerkranke Katze vermittelt: Heidi Aschmuteits "Tierhof Stade" ist von Schließung bedroht

tp. Drochtersen. "Ich bin Tierschützerin aus Leidenschaft", beteuert Heidi Aschmuteit (59) vor dem Amtsrichterin in Stade. Doch angesichts der Fotos, die der Betreiberin des "Tierhofes Stade" in Drochtersen-Dornbuschermoor im Gerichtssaal vorgehalten wurden, fällt es schwer, dies zu glauben. Die von einer Tierärztin gemachten Bilder zeigen die inzwischen verstorbene Katze "Gabi" (2†) in einem Mitleid erregenden Gesundheitszustand. Nachdem Aschmuteit die schwer kranke Katze offenbar leichtfertig und zu früh an neue Halter vermittelte, verhängte das Kreis-Veterinäramt ein Bußgeld wegen Tierquälerei. Zudem will die Behörde die Einrichtung schließen.

Heidi Aschmuteit, die seit 35 Jahren Tierschutz betreibt, legte gegen das Bußgeld Einspruch ein, über den am Montag am Amtsgericht verhandelt wurde. Dabei wurde den Prozess-Beteiligten die Leidensgeschichte der Katze Gabi vor Augen geführt. Im November nahm Heidi Aschmuteit Gabi und ihre drei Katzenbabys aus den Händen einer Tierschützerin aus dem Kreis Cuxhaven in ihre Obhut. Mutterkatze und Welpen waren zuvor in einer Reisetasche ausgesetzt worden.

Nach eigenem Bekunden pflegte Aschmuteit die abgemagerten Katzen in ihrer Quarantänestation nach bestem Wissen und Gewissen, verabreichte in Absprache mit einem Tierarzt die üblichen Medikamente gegen Parasiten, kämmte täglich Flöhe aus dem Fell. Nachdem die Katzenbabys vermittelt wurden, so Aschmuteit, habe sie auch für die inzwischen kastrierte Gabi eine liebevolle Halterin gefunden: eine junge Frau aus der Gruppe der rund ein Dutzend ehrenamtlichen Tierhof-Helfer.

Doch die Freude am neuen Haustier war rasch getrübt. Bereits nach einem Tag verschlechterte sich der Zustand der Katze rapide, sodass die Halterin unter Aschmuteits Rat mit Gabi an einem Sonntag den tierärztlichen Notdienst aufsuchte. Die diensthabende Stader Veterinärin Dr. Larissa Schulze Rückamp sagte im Zeugenstand aus.

Laut der Kleintierspezialistin litt Gabi u.a. unter hohem Fieber um 41 Grad, massivem Floh- und Milbenbefall, geschwollenen Schleimhäuten im Schlund, einer Blutvergiftung und Flüssigkeitsmangel. Das völlig entkräftete Tier wies kahle Stellen im Oberschenkelbereich auf. Insbesondere bemängelt die Tierärztin eine offene, noch von der Sterilisation herrührende Fleischwunde die den Blick bis auf das Bauchfell freigab. Wundwasser hatte eine Hautreizung ausgelöst. Viel zu spät sei Gabi einem Tierarzt vorgestellt worden, so die Tierärztin. Der Zustand habe sich über mindestens acht Tage entwickelt. Schulze Rückamp kritisierte zudem Mängel in der Dokumentation, u.a. sei in den Büchern nicht die Vergaben des gebotenen Antibiotikums eingetragen.

Amtstierärztin Dr. Uta Staecker, die den Tierhof nach dem Wochenende inspizierte, folgte Dr. Schulze Rückamp Schilderungen in weiten Teilen. Wegen angeblicher weiterer Vorfälle weigert sich das Amt, die Betriebserlaubnis für den Tierhof als Tierheim-ähnliche Einrichtung zu verlängern. Aschmuteit klagt dagegen vor dem Verwaltungsgericht. Sie hat Angst vor der Beschlagnahme ihrer Tiere und versucht nach eigenem Bekunden den Hof zu retten, indem sie einen neuen Betreiber einsetzt. E-Mails vom Tierhof tragen schon den Namen eines neuen Absenders.

Auch das Bußgeldverfahren läuft weiter: Aschmuteit und ihre Verteidigung legen Wert darauf, das Gabis letzte Halterin als Hauptzeugin gehört wird.

Gabi überlebte durch Intensivmedizinische Versorgung, verstarb um Ostern allerdings an Katzen-Aids.