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Überflieger mit "Knalleffekt": Kampfjet ließ Menschen im Kreis Stade aufschrecken / Das WOCHENBLATT erklärt, was passiert ist

Die Fotomontage zeigt einen Kampfjet über Buxtehude. Dargestellt ist die kegelförmige Ausbreitung der akustischen Stosswellen (Mach'scher Kegel), die für den lauten Überschall-Knall verantwortlich sind (Foto: Martin Elsen (Luftbild) / Jane Schmidt, Bundeswehr / Montage: jd)
(jd). Er war ohrenbetäubend und ließ die Fensterscheiben erzittern: der laute Knall, der am frühen Dienstagnachmittag im halben Landkreis Stade und auch in einigen Orten jenseits der Kreisgrenze zu hören war. Die Menschen zuckten zusammen und viele waren beunruhigt: Hatte sich irgendwo eine Explosion ereignet? Beim Notruf glühten die Drähte. Die Polizei gab schließlich Entwarnung: Der akustische Paukenschlag war ein Überschnall-Knall eines Militärjets. Das WOCHENBLATT klärt auf: Was war das für ein Flieger und was bedeutet es eigentlich, wenn ein Flugzeug die Schallmauer durchbricht.

Auf Nachfrage bestätigte das Luftfahrtamt der Bundeswehr (LufABw), dass ein Kampfflugzeug vom Typ Tornado unterwegs war. Die Maschine "erreichte im Rahmen eines Testflugs kurzzeitig auch Überschallgeschwindigkeit", so Hauptmann Maik Bugenhagen. Zu diesem Zeitpunkt habe sich der Tornado rund 2,4 Kilometer westlich von Buxtehude in einer Flughöhe von 10.975 Metern befunden.

Aufgestiegen ist das Flugzeug vom Fliegerhorst in Schleswig-Jagel. Es gehört zum "Luftwaffengeschwader 51", das als einziges in der Bundeswehr taktische Luftaufklärung leisten kann. Ein kleiner Teil des Geschwaders wurde im Dezember in die Türkei verlegt, um die Verbündeten beim Kampf gegen den IS zu unterstützen. Laut BW-Luftfahrtamt müssen Piloten auch Überschallflüge trainieren, um für den Ernstfall gewappnet zu sein.

Nach dem Prinzip "Train as you fight" (Übe so, wie du kämpfst) wird so das schnelle Nachstellen von feindlichen Jets simuliert. Der Einsatz am Dienstag habe unter "Beachtung der flugbetrieblichen Bestimmungen" stattgefunden, so Bugenhagen. Überschallflüge sind nur werktags zwischen 8 und 12.30 Uhr sowie von 14 bis 20 Uhr zulässig.

Auch wenn fast alle Übungen korrekt verlaufen, haben sich die Beschwerden besorgter Bürger über Fluglärm von Kampfjets in den vergangenen 20 Jahren verfünffacht - obwohl der militärische Flugbetrieb im gleichen Zeitraum um fast 90 Prozent zurückging. Während Anfang der 1990er Jahre allein mehr als 2.200 Kampfjets in Deutschland stationiert waren, sind es heute insgesamt nur noch 750 Militärmaschinen.

In Zeiten des Kalten Krieges gehörte ein Überschall-Knall fast zur gewohnten Geräuschkulisse. Heute kommt er so selten vor, dass die Menschen hochschrecken und beängstigt sind, wenn es "kracht".

Wenn die Schallmauer durchbrochen wird

Der typische "Knalleffekt" entsteht, wenn ein Jet schneller fliegt als sich der Schall ausbreitet. Die Schallgeschwindigkeit variiert nach Temperatur. In rund elf Kilometern Höhe beträgt sie etwa 1.200 Stundenkilometer. Fliegt ein Flugzeug so schnell wie der Schall, ist es mit Mach 1 unterwegs. Diese Maßeinheit stammt vom Physiker Ernst Mach.

Nach ihm ist auch der sogenannte Mach'sche Kegel benannt: Der Kegel aus stark verdichteter Luft entsteht, wenn ein Flieger Überschalltempo erreicht. Die Schallwellen liegen zeitlich extrem dicht beieinander und bilden eine Schallfront, die sich kegelförmig hinter dem Flugzeug ausbreitet. Trifft diese Stoßwelle auf den Boden auf, entsteht ein gewaltiger Druckanstieg. Das wird vom menschlichen Ohr dann als Knall wahrgenommen. Wenn die Schallmauer durchbrochen wird