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Unverständnis über Ignoranz im Stader Rathaus

Michael Lilienkamp fordert nach wie vor einen Zebrastreifen (Foto: bc)
bc. Stade. Überall in der Stadt gibt es Zebrastreifen: etliche auf dem Altstadtring, am Bahnhof, an den neuen Kreisverkehren, und, und, und. An der neuen Verkehrsinsel, bzw. an der Querungshilfe auf dem Salztorswall, soll angeblich kein Zebrastreifen möglich sein. Für Anwohner, die schon häufiger gefährliche Verkehrssituationen an dem Überweg beobachtet haben, ist das unverständlich.
„Wenn Herr Kraska sagt, dass die Polizei einen Zebrastreifen ablehnt, da die Autofahrer diesen erst zu spät erkennen würden, bedeutet das doch im Umkehrschluss, dass er die dunkel gekleidete Seniorin mit Rollator erst Recht zu spät sieht“, argumentiert Michael Lilienkamp, der direkt um die Ecke in der Bischofstwiete wohnt.
Wie berichtet, teilte der Erste Stadtrat Dirk Kraska im jüngsten Verkehrsausschuss des Stadtrates mit, dass ein Zebrastreifen an der Stelle ausgeschlossen sei. Und zwar aus zwei Gründen: zu wenig Fußgänger - 50 bis 100 Passanten müssten pro Stunde die Straße an dieser Stelle im Schnitt queren - und wegen der dortigen Kurve.
Tatsächlich wegen der Kurve? Das WOCHENBLATT hat bei der Polizei nachgehakt: Sprecher Rainer Bohmbach zitiert aus einer Verwaltungsvorschrift, der sogenannten Richtlinie für Fußgängerüberwege: Darin heißt es laut Bohmbach, dass ein solcher 100 Meter vorher für den Auto- und Lkw-Fahrer erkennbar sein muss.
In dem Fall am Salztorswall sind das nach WOCHENBLATT-Messungen in etwa 80 Meter. Bohmbach stellt klar: „Die Querungshilfe ist kein Unfallschwerpunkt.“
Aber genau diese Frage stellt sich Michael Lilienkamp: Müsse denn erst etwas passieren, damit etwas passiert? „Ich möchte nicht erleben, dass man zu spät reagiert. Das habe ich schon als Jugendlicher erlebt, als man erst eine Fußgängerampel in Stade-Schnee installiert hat, nachdem ein Kind überfahren wurde.“
Michael Lilienkamps Erinnerungen an das Erlebte werden wieder wach, wenn er vor seine Haustür schaut. „In meinen 30 Jahren Tätigkeit in der Notaufnahme habe ich genug Leid gesehen, das man hätte vielleicht verhindern können, wenn man Gefahrenpunkte vorher entschärft hätte“, sagt der Leiter der zentralen Notaufnahme in den Elbe Kliniken. Auch deswegen hat er sich jetzt nochmal die Mühe gemacht, das Fußgänger-Aufkommen an anderen Zebrastreifen zu zählen. Sein Ergebnis: „Am Gasometer waren es in 30 Minuten zehn Personen und bei Kaufland sieben Personen. Das bedeutet, pro Stunde haben wir dort ein Fußgänger-Aufkommen von 20 bzw. 14. Ich denke nicht, dass dort jemals stündlich 50 bis 100 Personen diese Zebrastreifen benutzt haben.“ Wieso habe es also dort mit einem Zebrastreifen geklappt?, fragt der Anwohner.
Michael Lilienkamp wird weiter hartnäckig einen Zebrastreifen einfordern: „Ich würde es mir persönlich nicht verzeihen, wenn auch hier erst was passieren muss, bis die Verantwortlichen reagieren.“

Kommentar

Bürger bitte ernst nehmen

Demokratie lebt von Beteiligung. Aktive Bürgerbeteiligung ist wichtig. Schlimm ist es jedoch, wenn sich Bürger viele Gedanken machen, diese an entscheidender Stelle aber nicht entsprechend gewürdigt werden. Michael Lilienkamp liefert gute Begründungen, warum an dieser Stelle am Salztorswall ein Zebrastreifen oder irgendeine andere Lösung her muss, um die Situation zu entschärfen.
Kommentar
Wenn dann die Verwaltungsspitze der Meinung ist, dass alles nicht so schlimm sei, sich auf Aussagen der Polizei beruft und am liebsten gar nichts verändern möchte, sorgt das natürlich für Frust. Ich frage mich: Warum wird in solchen Fällen (fast) immer nach Begründungen gesucht, ein Bürger-Anliegen ablehnen zu können? Warum wird nicht mal der positive Ansatz gewählt? Nach dem Motto: Wir wollen eine Lösung finden, um dort die Situation zu entschärfen. Das wäre ein Zeichen an engagierte Bürger: Ja, wir nehmen euch ernst. Björn Carstens