Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

US-Top-Manager Matthias Freund kehrt nach 33 Jahren in Amerika nach Stade zurück

Marianne und Matthias Freund leben heute den Sommer über in ihrer Wohnung in Stade (Foto: Freund privat / am)
 
1986: die Familie Freund mit den Kindern Stefanie und Bastian bei einem Ausflug zu den Niagara-Fällen
am. Stade. Er hat es als deutscher Zuwanderer geschafft, den amerikanischen Traum zu Leben. Matthias Freund (68), aufgewachsen in Drochtersen, absolvierte vor rund 45 Jahren eine Ausbildung zum Foto-Kaufmann bei Schattke in Stade. Wenige Jahre später war er Top-Manager bei Kodak, einem der weltweit bedeutendsten Hersteller für Fotoausrüstung, und hatte global 40.000 Mitarbeiter unter sich. "Wenn ich noch mal von vorn beginnen könnte, würde ich alles genauso wieder machen", sagt der Ex-Manager. Jetzt im Ruhestand brachte die Sehnsucht nach der Heimat den ehemaligen Wirtschaftsboss zurück zu seinen Wurzeln. Mit seiner Frau ist er in seine Heimat zurückgekehrt und verbringt die Sommermonate in Stade. Die restlichen sieben Monate lebt das Ehepaar in Naples in Florida.

Seine Jugendliebe und Ehefrau Marianne (66) steht damals wie heute an seiner Seite. Vor drei Jahrzehnten zog die Familie mit zwei Kindern in die Stadt Rochester im Staat New Jork in den USA. Matthias Freund arbeitete damals bei Kodak in Stuttgart und sollte an einem Management-Trainingsprogramm teilnehmen. Aus geplanten 18 Monaten wurden 33 Jahre. Der ambitionierte Kaufmann übernahm in der Firma schnell verantwortungsvolle Aufgaben, bis er schließlich die größte Abteilung "Amateur- und professionelle Fotografie" bei Kodak leitete. Als Präsident der Sparte stand er nur eine Stufe unter dem Vorstandsvorsitzenden des Unternehmens.

"Einige Menschen sind kreativ, andere sind technisch begabt - ich war ein 'Problemlöser'", sagt Matthias Freund. Wenn irgendwo, irgendetwas nicht gut lief, wurde er geschickt. Parallel dazu leitete er eine Kodak-Tochterfirma mit 18.000 Mitarbeitern.

Für seinen Erfolg hat der heute 68-Jährige hart gearbeitet. "Er war sieben Tage die Woche, 16 Stunden am Tag in der Firma und hat nur zwei Wochen Urlaub im Jahr gemacht", sagt seine Ehefrau. "Er war wenig zu Hause. Aber das ist das Geheimnis einer guten Ehe", fügt sie scherzend hinzu.

Seit 50 Jahren sind die beiden ein Paar. Sie sind gemeinsam in Drochtersen zur Schule gegangen. "Damals meldete man sich nach der Konfirmation zur Tanzschule an", sagt Marianne Freund. Dort habe es dann schließlich zwischen den beiden "gefunkt". Die Ehefrau hatte zunächst bei der Sparkasse in Drochtersen gearbeitet. Später in Amerika kümmerte sie sich um die Kinder und widmete einen Großteil ihrer Zeit der ehrenamtlichen Arbeit "Ich habe in Pflegeheimen geholfen, in Krankenhäusern, in Büchereien." Und sie stand ihrem Mann zur Seite. "Ohne die Flexibilität und Unterstützung meiner Frau wäre meine Karriere nicht möglich gewesen", sagt der Ex-Manager heute. Allein 20 Mal musste die Familie berufsbedingt umziehen. Sie lebten unter anderem in New York, in Georgia, in North Carolina und schließlich in Naples in Florida.

"Die Amerikaner sind viel offener als die Deutschen und Fremden gegenüber positiver eingestellt", sagt Marianne Freund. "Das in Deutschland verbreitete Vorurteil, dass sie oberflächlich sind, stimmt nicht." Die Familie habe sich überall gut aufgenommen gefühlt. "Wir haben immer gern in Amerika gelebt und tun das auch heute noch", sagt er. Es seien die Menschen, die sie kennen gelernt haben, die Weite des Landes und all die Naturschönheiten in den USA wegen derer sie sich dort so wohl fühlten.

"Dennoch sind wir im Herzen immer Deutsche geblieben", sagt Matthias Freund. Auch die Verbundenheit zum Fußballverein Drochtersen / Assel, in dem er als Jugendlicher gespielt hat, macht einen großen Teil ihrer Liebe zur Heimat aus. "Wir sind wahrscheinlich die am weitesten entfernt lebenden Fans von 'Drossel'", so der Fußballfreund. Er habe aus Amerika, so weit es ging, immer alle Ergebnisse verfolgt.
Jetzt im Ruhestand, wenn er in Stade ist, besucht er jedes Heimspiel. Wie viele andere fiebert auch er gerade mit seiner Frau dem kommenden Spiel "ihres" Fußballvereins gegen den Bundesligisten Borussia Mönchengladbach entgegen.

Wenn sie in Deutschland sind, treffen sie zudem alte Freunde und erkunden die Gegend neu. Als Basis haben sie sich eine Wohnung in Stade gesucht. "Wenn man älter wird, erinnert man sich gern an die Heimat", sagt Matthias Freund. "Wir haben das Glück, nicht über sie zu sprechen, sondern die Heimat erleben zu dürfen."