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Verzögerung im "Zocker"-Prozess

Der wegen Untreue angeklagte Ex-Bankangestellte Jens L. (li.) mit seinem Strafverteidiger Frank Jansen

Verteidiger des spielsüchtigen Ex-Bankers Jens L. aus Stade bereitet Befangenheitsantrag gegen Kammer vor

tp. Stade. Im Strafprozess gegen den ehemals krankhaft spielsüchtigen Ex-Banker Jens L. (39) aus Stade, der ca. 8,4 Millionen Euro Kundengeld seines früheren Arbeitgebers, der Deutschen Bank-Filiale in Buxtehude, veruntreut und rund die Hälfte im Kasino verzockt haben soll, gibt es eine Verzögerung: Beim dritten Verhandlungstermin am vergangenen Dienstag am Stader Landgericht hat L.s Verteidiger Frank Jansen eine Unterbrechung bis voraussichtlich Montag, 9. September, erwirkt.
Jansen hat einen umfangreichen Befangenheitsantrag gegen die Kammer gestellt. Darüber wird jetzt beim Landgericht beraten. Im Extremfall muss eine komplett neue Kammer eingesetzt werden, dann ist mit einer deutlich späteren Prozessfortsetzung zu rechnen.
Wie berichtet, halten Jens L. und sein Verteidiger den vom Gericht bestellten psychologischen Gutachter Dr. Harald Schmidt für nicht objektiv, da er erst eine Einschätzung L.s vornahm, nachdem dieser bereits gut 300 Stunden Therapie hinter sich hatte. Der Gerichtsgutachter bescheinigt L. zwar eine Spielsucht, schließt aber eine Schuldfähigkeit nicht aus. Folgt die Kammer der Expertenansicht, drohen L. mehrere Jahre Gefängnis.
Verteidiger Jansen hat sich den Freispruch seines Mandanten zum Ziel gesetzt. Dazu will er durchsetzen, dass das Gericht aus Fairness einen neuen Gutachter einsetzt. Zudem sollen Zeugen angehört werden, die L. aus seiner krankhaften Spielphase kennen. Allen voran L.s Therapeuten Dr. Marcus Wawerzonnek. Dieser gilt in der Szene als schillernde Persönlichkeit: Ende der 1980er Jahre schrieb "Der Spiegel" über ihn: "Höchste Wonnen - ein neuer 'Sex-Papst' verheißt das Reich der multiplen Orgasmen." Heute betreibt er in Hamburg das "Institut für angstfreie Wissenschaft".
• Eigentlich wollte Jens L. am Dienstag die mehr als 70 Seiten umfassende Einlassung verlesen und darin unter anderem detailliert auf die aus seiner Sicht krank machenden Arbeitsbedingungen bei der Deutschen Bank eingehen. Doch in Anwesenheit des Gutachters Schmidt sah er sich dazu außerstande.
• Nächster Termin: Montag, 9. September, 9.30 Uhr.