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Volkssport Fahrerflucht: Wenn der Täter Gummi gibt

Ken Jochim ärgert sich über einen Schaden an seinem neuen Auto. Und darüber, dass der Verursacher einfach abgehauen ist
lt. Landkreis. "Ich bin stinksauer", sagt Ken Jochim. Der Diplom-Ingenieur aus Dollern bei Stade ärgert sich über einen 3.500 Euro teuren Schaden an seinem erst erst knapp drei Wochen alten Porsche Cayenne. Der große Ditscher im hinteren Bereich ist nicht selbst verschuldet, dennoch wird Jochim voraussichtlich auf den Kosten sitzen bleiben. Grund: Ein Unbekannter hat den Neuwagen auf dem Handelshof-Parkplatz in Stade angefahren und ist danach einfach abgehauen.
Es ist schon das zweite Mal innerhalb von sechs Monaten, dass Jochim Opfer einer Fahrerflucht wurde. Im Frühjahr dieses Jahres krachte jemand in einem Parkhaus in das Auto seiner Frau, als diese gerade in Stade einkaufen war. Der Verursacher haute auch damals einfach ab und konnte nicht ausfindig gemacht werden.
"Das ist einfach keine Art", sagt Jochim. Wer einen Unfall verursache, müsse dafür auch einstehen. Nicht jeder Geschädigte könne sich die fälligen 300 Euro Selbstbeteiligung und womöglich noch eine Hochstufung der jährlichen Versicherungsbeiträge so einfach leisten, sagt Jochim.

So wie ihm ergeht es jedes Jahr immer mehr Autofahrern. Im Landkreis Stade gab es im vergangenen Jahr 1.049 angezeigte Verkehrsunfälle mit Fahrerflucht, 43,47 Prozent konnten aufgeklärt werden. Im Landkreis Harburg waren es 1.591 Fahrerfluchten, von denen 44,43 Prozent aufgeklärt werden konnten. Die Dunkelziffer dürfte aber weit höher liegen, denn viele Geschädigte, die ältere Autos fahren, melden eine Fahrerflucht gar nicht erst. Viele Schäden werden zudem weder bei der Versicherung angezeigt noch repariert, weil die Betroffenen sich die Selbstbeteiligung plus eine Hochstufung in den Beiträgen nicht leisten können.

Deutschlandweit werden pro Jahr rund 500.000 Fälle von Fahrerflucht angezeigt, Tendenz steigend. Gerichtlich bestraft (durch Urteil oder Strafbefehl) werden in jedem Jahr aber nur gut 30.000 Täter.
In den meisten Fällen haben die Betroffenen das Nachsehen und bleiben auf den Kosten sitzen, da in der Regel die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers die Regulierung von Schadensersatzansprüchen übernimmt. Wer als Betroffener eine Vollkaskoversicherung hat, muss zwar nicht die volle Summe aber immerhin noch die Selbstbeteiligung bezahlen und wird womöglich in den jährlichen Beiträgen hochgestuft - Ein Grund, warum viele Geschädigte sich gar nicht erst bei der Versicherung melden und den Schaden auch nicht reparieren lassen.
Damit mehr Delikte aufgeklärt werden können, appelliert die Polizei an alle Verkehrsteilnehmer und Bürger, selbst verursachte oder beobachtete Verkehrsunfälle unbedingt sofort und nicht erst nach Stunden oder Tagen der Polizei zu melden.
"Kennzeichen merken und Fotos machen", sagt Stades Polizeisprecher Rainer Bohmbach. Er weist außerdem darauf hin, dass das unerlaubte Entfernen vom Unfallort mit einer Geld- oder einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bestraft werden kann.
Wer Fahrerflucht begeht, riskiert zudem seinen Haftpflichtversicherungsschutz. Wird der Flüchtige im Nachhinein geschnappt, zahlt dessen Versicherung nur teilweise bis gar nicht. Häufig übernimmt die Versicherung zunächst den Schaden, verlangt das Geld aber vom Unfallverursacher zurück. Oft wird der Fahrerflüchtige in seinem Schadensfreiheitsrabatt zurückgestuft und muss den Schaden am eigenen Auto selbst tragen, da sich die Vollkasko im Falle einer Fahrerflucht weigern kann, die Kosten zu übernehmen.
Übrigens gilt es auch als Fahrerflucht, wenn der Verursacher einfach einen Zettel oder eine Visitenkarte an dem beschädigten Fahrzeug hinterlässt.
Und so ist es richtig:
• Passiert der Unfall während der Fahrt, muss der Verursacher sofort anhalten und aussteigen - nicht erst auf dem nächstgelegenen Parkplatz.
• Befindet sich der geschädigte Autobesitzer nicht im Fahrzeug, sollte der Unfallverursacher mindestens eine halbe Stunde am Unfallort warten oder sich direkt bei der Polizei melden.
• Viele Autofahrer glauben, dass es reicht, sich bei einem Bagatellschaden innerhalb von 24 Stunden bei der Polizei zu melden. Doch auch wer sich nachträglich meldet, hat Fahrerflucht begangen.

Ken Jochim aus Dollern, der nun schon zum zweiten Mal Opfer einer Fahrerflucht wurde, hat die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, dass der Täter, der vermutlich in einem großen weißen Fahrzeug unterwegs war, vielleicht doch noch gefasst wird. "Wer mir einen entscheidenden Hinweis geben kann, bei dem würde ich mich erkenntlich zeigen", sagt Jochim. Passiert ist der Unfall am Sonntag, 18. September, gegen 11.45 Uhr auf dem Parkplatz des Stader Handelshofs.