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Warum es Frauen im gebärfähigen Alter schwer haben

Anne Behrends ist seit 25 Jahren die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Stade (Foto: lt)
lt. Stade. Wie steht es um die Gleichberechtigung und Chancengleichheit von Männern und Frauen im Landkreis Stade? Diese Frage treibt Anne Behrends, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, seit nun mehr 25 Jahren um. Kürzlich gab sie im Kreistag einen Überblick über den Status Quo.
"Wir sind auf einem guten Weg, dürfen uns aber nicht zurücklehnen", so Behrends. Von einer echten Gleichstellung der Geschlechter könne noch lange nicht die Rede sein. Insbesondere die häufig immer noch schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf führe u.a. dazu, dass mehr Frauen (oftmals auch Akademikerinnen) in Teilzeitjobs oder in geringfügig entlohnten Jobs arbeiten.
Dabei gebe es nur eine Chance auf Gleichberechtigung, wenn Frauen ihre eigene Existenz sichern können und nicht von einem Mann abhängig sein müssen.
Erfreulich sei aber die erkennbare Trendwende aufgrund des Mindestlohngesetzes, das 2015 in Kraft trat. Danach sei so mancher Minijob in die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung geglitten. Und das sei ein großer Vorteil für das Rentenkonto der Minijobberin, so Behrends.
Konkret waren im Landkreis Stade 2013 insgesamt 12.056 Frauen und 6.931 Männer geringfügig beschäftigt. Im Jahr 2016 waren es dagegen nur noch 8.185 Frauen und 4.778 Männer.
Auffällig sei, dass Frauen "im gebärfähigen Alter" - also zwischen 25 und 45 Jahren augenscheinlich nur schwer adäquate Jobs finden, in denen sie Beruf und Familie gut miteinander verbinden können. Wenn Mütter erwerbstätig werden möchten, so Behrends, dann dann müssten sie häufig auf geringfügige Beschäftigungen ausweichen, ob wohl sie oft viel höher qualifiziert seien.
Eine Chance für Frauen sei die voranschreitende Digitalisierung, die z.B. die flexiblere Arbeit von Zuhause ermögliche sowie der Fachkräftemangel, der Arbeitgeber dazu bringe, qualifizierte Frauen im Unternehmen halten zu wollen.
Behrends ging in ihrem Bericht auch auf die Personalstruktur in der Kreisverwaltung ein. Im Führungsbereich gibt es sowohl zwei weibliche als auch zwei männliche Dezernenten. Auf Amtsleiterebene befänden sich dagegen nur drei Frauen und 14 Männer. Zudem gibt es mehr männliche Abteilungsleiter als weibliche (13 zu sechs). Eine erfreuliche Entwicklung gebe es dagegen im höheren Dienst, wo Frauen enorm aufgeholt hätten. Das liege u.a. daran, dass viele Ärztinnen im Gesundheits- und Veterinäramt arbeiten, so Behrends.
"Wir als Kreisverwaltung müssen Vorbild sein", sagt die Gleichstellungsbeauftragte. Innovativer müsse man noch im Bereich Teilzeitarbeit für Führungskräfte und bei der Entwicklung von Sharing-Modellen werden. Positiv sei die Möglichkeit der Arbeit von Zuhause, die 2016 zwölf Frauen und drei Männer aus der Kreisverwaltung nutzten.
Besonders am Herzen liegt Anne Behrends auch das Thema "Gewalt an Frauen". Die Gleichstellungsbeauftragte ist u.a. im Netzwerk "Häusliche Gewalt im Landkreis Stade" sowie in der Berufsgruppe gegen sexuellen Missbrauch im Landkreis Stade aktiv. Sie setzt sich außerdem dafür ein, dass im Landkreis eine Beratungsstelle für Täter eingerichtet wird. Um Gewalttaten zu verhindern, müsse im Bereich Täterarbeit viel mehr getan werden, so Behrends. Man dürfe sich nicht nur auf die Opfer konzentrieren.
Letztendlich sei alles, was man zum Schutz und für die Gleichstellung von Frauen erreiche, auch immer für die Männer von Vorteil. "Wir können es uns nicht mehr leisten, Frauen klein zu machen", so Behrends.
• Turnusmäßig legt Anne Behrends alle drei Jahre einen Bericht ihrer Arbeit vor.
www.gleichstellungsbeauftragte-landkreis-stade (lt).