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Wasserbau-Ingenieur arbeitet in Stade gegen die Kräfte der Natur

Berthold von Pothen am Schwinge-Sperrwerk
 
Wasserbau-Ingenieuur Berthold von Pothen (li.) und Sperrwerks-Wärter Sven Wiese am Aggregat eines Sperrwerks-Tores

Trockenlegung ist sein Metier: Berthold von Pothen feiert Dienstjubiläum


tp. Stade. Mit ihrem stattlichen Gewicht von jeweils 40 Tonnen sind die vier stählernen, an massigen Beton-Fundamenten befestigten Stahltore des Schwinge-Sperrwerks in Stade echte Technik-Kolosse. Rund 120 Mal pro Jahr werden sie bei Sturmflutwarnungen geschlossen, dann wirken gewaltige physikalische Kräfte auf die 10,60 Meter hohen Luken, die dauerhaft rund 3,50 Meter unter Wasser stehen. Das geht an die Bausubstanz: Einer, der die Stabilität und Funktion der Anlage fest im Blick hat, ist Berthold von Poten (60) aus Stade. Er gilt als Experte für die aufwändige Trockenlegung von Sperrwerken.

Ex-Zeitsoldat von Pothen, studierter Ingenieur der Wasserwirtschaft, feierte jetzt sein 40-jähriges Dienstjubiläum beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN ). Er kümmert sich schon seit 1985 um die landeseigenen Anlagen in den Landkreisen Stade und Cuxhaven. 1992 stieg der Experte in die Sanierung der Sperrwerke ein. „Die Sperrwerke im Bereich der Betriebsstelle Stade sind bei Ihnen in besten Händen“, lobte Anne Rickmeyer, Direktorin des NLWKN, jüngst im Rahmen einer Feierstunde. Eine besondere Herausforderung für von Poten sei die Verkehrssicherung des Wattenweges nach Neuwerk und ganz besonders die Querung des sogenannten Sahlenburger Loches, so Rickmeyer.

Von Pothens Metier sind überdies die etwa einmal pro Jahrzehnt nötigen Trockenlegungen zur Wartung und Reparatur der sieben Sperrwerke im Landkreis Stade, u.a. an der Lühe, der Oste, am Ruthenstrom auf Krautsand und in Wischhafen. Dann arbeiten von Pothen und sein zwölfköpfiges Team von Wasserbauern, außerdem Kranführer, Taucher und der Sperrwerkswärter unter dem von dem natürlichen Tiedehub vorgegebenen Zeitdruck - und damit gegen die Kräfte der Natur. Die Spezialisten verriegeln innerhalb von knapp zwölf Stunden an einem Termin im Sommer, wenn Sturmfluten nahezu ausgeschlossen sind, das Sperrwerk mit einer Barriere aus senkrechten Stahlrohren. Zuletzt 2008 wurde mit dieser Methode der 16 Meter breite Durchlass am Schwinge-Sperrwerk (Baujahr 1971) verschlossen.

Da trotz besonderer Abdichtungen Wasser in den Trog dringt, kommen Hochleistungspumpen zum Einsatz. Sie befördern Wasser und Schlick aus dem Sperrwerks-Inneren, in dem Fachleute beispielsweise Bewährungen im Stahlbeton entrosten oder die aus bronzenen Halbkugeln bestehende Tor-Lager instandsetzen. Bei weiteren Inspektionen und Reparaturen sorgen von Pothen, Sperrwerkswärter Sven Wiese (49) und die übrigen NLWKN-Mitarbeiter für Funktionalität und Sicherheit der Klappbrücke oder des 15 Meter tiefen Tunnels unterhalb des Sperrwerks. Erst im Jahr 2016 wurde für 650.000 Euro die Steuer-Technik erneuert.

Die Sperrwerks-Sicherheit an der Schwinge ist essenziell für die umliegende Industrie mit dem Dow-Chemiewerk und dem Industriebahnhof Brunshausen, die andernfalls über mehrere Monate im Jahr überschwemmungsgefährdet wären.

Trotz seiner Erfahrung und seines Know-hows ist Pothen nicht vor unliebsamen Zwischenfällen gefeit: Vor einigen Jahren erlitt das Sperrwerk in Wischhafen massiven Schaden durch Eisgang. Zwei Tore wurden ausgehebelt und erlitten einen teuren Lager-Defekt, der wegen langwieriger Ersatzteilbeschaffung erst nach einige Wochen behoben werden konnte.

Übrigens: Auch in der Freizeit dreht sich bei Berthold von Pothen alles um den Wasserbau. Der Vater von drei erwachsenen Kindern besichtigt gerne Baustellen in aller Welt. Bleibenden Eindruck hinterließ beim ihm ein filigranes Baugerüst aus Holz, das Arbeiter an einem Wasserturm in Indien errichteten.