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Wellen, Sand und Klobrillen auf Krautsand

Die Gäste können kommen: Gabi und Horst Jungclaus arbeiten als Reinigungskräfte im WC-Container am Strand

Toilettendienst auf der Urlaubsinsel: Gabi und Horst Jungclaus freuen sich auf die Saison

tp. Krautsand. "Du hast den beschissensten Job der Welt": Solche Kommentare nimmt Putzfrau Gabi Jungclaus (64) aus Drochtersen inzwischen gelassen. Sie freue sich auf die nächste Saison, die sie wieder im Toilettencontainer auf der Elbinsel Krautsand verbringen wird. Für die Rentnerin und ihren Ehemann Horst (67), der sie beim Toilettendienst unterstützt, ist nichts Anrüchiges an dem Job.

Seit sieben Jahren wachen die Eheleute, die fünf erwachsene Kinder und elf Enkel haben, über das stille Örtchen an der Strandpromenade. "Ich mache das gerne", sagt Gabi Jungclaus mit einem zufriedenen Lächeln und lässt den Blick über den Elbstrom schweifen. Die malerische Postkartenkulisse steht im krassen Kontrast zu manchem Anblick, den ihr die Reinigungstätigkeit in dem engen WC-Container beschert: gebrauchte Damen-Hygieneartikel, die Nutzerinnen achtlos auf Spülkästen ablegen, aufgeweichtes Toilettenpapier in Urin-Lachen, braune Schleifspuren auf weißer Keramik.

Besonders hektisch und arbeitsreich wird es bei Großveranstaltungen wie früher bei den legendären Strandfeten, bei Biker-Partys, dem Insel-Flohmarkt oder in Kürze beim wohltätigen Osterlauf. Bei Massenandrang, wenn sich an den drei Damenkabinen lange Warteschlangen bilden, werden Frauen schon mal vorübergehend ins Männer-Abteil geschleust.

Egal, wie viel Betrieb auf den paar Quadratmetern herrscht, nach jedem Toilettengang wird geputzt: Gabi Jungclaus rückt dem Schmutz mit Seifenwasser und Bakterienkiller auf die Pelle. "Alkohol und Zigaretten sind auf den Strand-Klos übrigens verboten, das macht nur unnötig Dreck", sagt Horst Jungclaus. Die Gäste belohnen die Umsicht und die Reinlichkeit, mit der die Eheleute Jungclaus das kommunale Gäste-Klo betreiben, mit vielen kleinen Münzspenden.

Zusammen mit dem Stundenlohn von zehn Euro, den die Gemeinde zahlt, wandert das Trinkgeld in die Reisekasse. Wenn die Feriengäste abgereist sind und der Toilettencontainer zum Überwintern auf den Bauhof gebracht wird, machen die beiden Rentner selbst Urlaub. Am liebsten in Österreich in den Bergen. "Wir lieben zwar unsere Arbeit auf Krautsand. Aber nach einer langen Strandsaison wollen wir doch mal was anderes sehen als Wellen, Sand und Klobrillen."