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Weltreise ohne Return-Ticket: "Der Plan ist, keinen Plan zu haben"

Anika Gerdau am Anfang ihrer Reise: Vor knapp einem Jahr begann das Abenteuer auf Sri Lanka (Foto: Anika Gerdau)
 
An der australischen Westküste ging Anika Gerdau auf Tuchfühlung mit neugierigen Kängurus (Foto: Anika Gerdau)
lt. Buxtehude. „Du bist aber mutig!“ Diesen Satz hört Anika Gerdau (34) oft. Die Web-Designerin hat vor knapp einem Jahr ihre Ersparnisse zusammengekratzt (etwa 17.000 Euro) und alle Zelte abgebrochen, um auf Weltreise zu gehen. Die Single-Frau kündigte ihren Job in Hamburg und ihre Wohnung in Buxtehude, verkaufte ihr Auto und verabschiedete sich auf unbestimmte Zeit von Freunden und Familie.
Bepackt mit nur einem 17 Kilo schweren Rucksack flog sie zunächst für einen Monat nach Sri Lanka, von dort für ein halbes Jahr nach Australien, Bali, die Gili-Inseln und über Singapur im Juli dieses Jahres nach Costa Rica und Panama. Zurzeit tourt Anika Gerdau durch Kolumbien.
Auf den einzelnen Reiseabschnitten hat die aufgeschlossene Frau immer wieder Menschen getroffen, die sie eine zeitlang begleitet und die viele Höhen und Tiefen geteilt haben. Und diese Menschen sind für Anika Gerdau das Beste am ganzen Trip. Von jeder Person nehme man etwas mit, so Anika Gerdau. Neue Einsichten, neue Gedanken, neue Perspektiven auf die Welt und sich selbst. „Man verändert sich“, sagt die Web-Designerin, die während ihrer Reise schon so manches „Bad der Emotionen“ erlebt hat.
Wenn etwas nicht laufe wie gedacht, sei ihr manchmal zum Weinen zumute, doch schon einen Augenblick später sei mitunter alles vergessen, weil ihr plötzlich ein Faultier zuzwinkert, versucht Anika Gerdau ihre Gefühle zu beschreiben.
Ihre Eltern oder die beste Freundin versuchen, sie in schwierigen Momenten via Whats-App- oder Skype-Telefonat wieder aufzubauen. Dank des Internets ist Anika Gerdau außerdem an keinem Fleck auf der Erde allein, wenn sie nicht allein sein
will. Über spezielle Netzwerke ist sie z.B. über Facebook mit anderen alleinreisenden Frauen vernetzt, tauscht sich über mögliche Gefahren aus und findet Anschluss, wenn es ihr sicherer erscheint, in einer Gruppe unterwegs zu sein.
Inzwischen sei sie fast ein bisschen „reisemüde“ und fühle sich übersättigt von den immer wieder neuen überwältigenden Landschaften, Orten und Menschen, sagt die Weltenbummlerin. Die anfängliche Euphorie sei verflogen, sie selbst sei ruhiger und gelassener geworden. Gleichwohl fühle sie sich noch immer manchmal überfordert, z.B. wenn die Entscheidung anstehe, wo die Reise als nächstes hinführen soll.
„Der Plan ist, keinen Plan zu haben“, sagt Anika Gerdau. Sie sei aufgebrochen, um sich treiben zu lassen. Nicht immer ganz leicht für jemanden, der - wie die meisten anderen Menschen auch - einen organisierten und durchgeplanten Alltag gewohnt ist, gibt sie augenzwinkernd zu.
In Kolumbien fühlt sich die Reisende zurzeit sehr wohl und hat gerade in einem kleinen Restaurant gejobbt. „Ein buntes, günstiges Land mit sympahtischen Menschen“, sagt sie. Ihre nächste Station steht noch nicht fest. Womöglich Mexico.
Völlig offen ist auch noch, wann sie zurück nach Deutschland kommt und ob sie überhaupt jemals wieder dauerhaft im hohen Norden leben will - ein Return-Ticket hat Anika Gerdau nicht.
Den Menschen „zuhause“ möchte die Reisende gerne eins mit auf den Weg geben: „Habt keine Angst, alles hinter euch zu lassen und neue Wege zu gehen! Man gewinnt viel mehr als man verliert.“

• Anika Gerdau hält ihre Erlebnisse in einem privaten Reiseblog fest. Wer sich dafür interessiert, kann über Facebook Kontakt aufnehmen.