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Wichtige Hilfe für Scheidungskinder

"Begleiteter Umgang" ist oft die einzige Möglichkeit, zu beiden Elternteilen Kontakt zu halten

(sb). Wenn Eltern sich scheiden lassen, sitzen die Kinder oft zwischen den Stühlen. Sie werden - häufig unbewusst - instrumentalisiert, leiden dabei genauso wie die Erwachsenen unter der Trennung und geben sich oft sogar die Schuld an der Situation. Besonders schlimm wird es, wenn der Nachwuchs einen Elternteil nicht sehen darf. Dann kann der "Begleitete Umgang" helfen, der unter anderem vom Kinderschutzbund Stade durchgeführt wird.
Gewalt, Alkohol, unterschiedliche Lebenseinstellungen, kulturelle Unterschiede - es gibt viele Gründe, warum ein Elternteil dem anderen nach einer Trennung den Kontakt zum gemeinsamen Kind verweigert. Dann entscheidet das Familiengericht und wählt zum Wohl des Kindes häufig den Königsweg des "Begleiteten Umgangs". Dabei darf der Elternteil, bei dem das Kind nicht wohnt, seinen Nachwuchs in einem geschützten Raum unter Aufsicht besuchen. Einige der Begleiter machen dies ehrenamtlich unter dem Dach des Kinderschutzbundes Stade.
Einer von ihnen ist Peter S. (52). Um die Privatsphäre seiner Schützlinge zu wahren, möchte er seinen Namen nicht in der Presse veröffentlichen. "Schließlich bin ich mit den Kindern und deren Angehörigen auch auf der Straße unterwegs", sagt er.
Zurzeit machen acht Freiwillige den "Begleiteten Umgang" beim Kinderschutzbund. Peter S. ist seit rund 18 Monaten dabei. Nach einer Hospitanz durchlief er eine 25-stündige Ausbildung, bevor er den ersten eigenen Fall übernahm. "Es macht mir Spaß zu sehen, wie gut es vielen Kindern beim Umgang mit dem anderen Elternteil geht", sagt er.
Bevor es dazu kommt, ist jedoch eine gewisse Vorarbeit nötig. Zunächst führen Psychologen Einzelgespräche mit den Eltern. Dabei ist der Begleiter stets anwesend, um sich ein Bild von der Situation zu machen. Wenn sich die Eltern auf eine bestimmte Form des "Begleiteten Umgangs" geeinigt haben, werden die Bedingungen vertraglich festgehalten. Anschließend besucht der Begleiter das Kind in seiner Wohnung, um es in seinem persönlichen Umfeld kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen.
Für die Treffen mit dem anderen Elternteil gibt es einen geschützten Raum im Zentrum von Stade. Dieser ist mit diversen Spielen ausgestattet. "Die ersten Treffen mit dem anderen Elternteil gestalten sich oft schwierig", erzählt Peter S., "Die Kleinen sind verängstigt, haben ihren Vater oder ihre Mutter vielleicht jahrelang nicht gesehen." Dann ist es an ihm, die beiden behutsam zueinander zu führen und sich zum richtigen Zeitpunkt zurückzuziehen und den Kontakt aus der Ferne zu beobachten. Wenn beide Elternteile damit einverstanden sind, kann der "Begleitete Umgang" auch außerhalb des geschützten Raums erfolgen. Dann können Aktivitäten wie Eis essen, schwimmen oder ein Spielplatzbesuch auf dem Programm stehen.
• Der Kinderschutzbund Stade sucht weitere Freiwillige für den "Begleiteten Umgang" sowie für das Kindersorgentelefon "Die Nummer gegen Kummer". Interessenten sollten lebenserfahren sein und Freude am Umgang mit Kindern haben. Infos gibt Dr. Henning Kehrberg, Vorsitzender des Kinderschutzbunds Stade, unter Tel. 04141 - 478 87, Mail: info@dksb-stade.de.